Österreich tritt bei der Digitalisierung der Schulen auf die Bremse und will den Fokus zurück auf das „Analoge“ legen. Handschrift bekommt mehr Gewicht, tägliches Lesetraining wird zur Pflicht.
Mit der Digitalisierung konnte es Österreichs Schulen zuletzt nicht schnell genug gehen. Doch die Leseleistungen sinken, digitale Geräte sorgen im Unterricht häufig für Ablenkung – das zeigt auch die PISA-Studie. Nun zeichnet sich ein Trend zur „Entdigitalisierung“ ab.
Ab nächstem Schuljahr sollen Kinder ihr persönliches Digitalgerät wie berichtet nicht mehr zu Beginn der fünften Schulstufe erhalten, sondern erst im zweiten Semester der sechsten Schulstufe. Der erste betroffene Jahrgang bekommt Laptop oder Tablet damit erst im Februar 2029 – rund eineinhalb Jahre später als bisher. Das schont auch das Budget: 30 Millionen Euro sollen 2027, 2028 schon 50 Millionen Euro eingespart werden.
„Nicht nur Sache der Deutsch-Lehrer“
Seit 2025 gilt an Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen bereits ein Handyverbot. Auch andere Länder stehen in Schulen auf der Digitalisierungsbremse. Schweden etwa investiert nach Jahren wieder Hunderte Millionen Kronen in gedruckte Schulbücher und Jugendliteratur.
Diesen Weg schlägt nun auch Österreich ein. Das Bildungsministerium bestätigt gegenüber der „Krone“, in der Volksschule und der 5. Schulstufe wieder stärker auf „analoge Unterrichtsmittel“ setzen zu wollen. Besonders Schreiben mit der Hand soll mehr Gewicht bekommen. „Handschriftliches Schreiben ist zum Erwerb von Grundkompetenzen essenziell“, heißt es aus dem Ressort von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos).
Lesen wird in allen Fächern im Mittelpunkt stehen. Das hat absolute Priorität.
Christoph Wiederkehr, Bildungsminister
Das Ministerium will einen Fokus auf „diagnosebasierte Leseförderung“ setzen. Auf Lesepatenschaften und neue Methoden, wie das „Leseband“, ebenso. Dabei wird täglich eine fixe Unterrichtszeit für gezieltes Lesetraining reserviert. Denn: „Lesen soll künftig nicht mehr nur Sache der Deutsch-Lehrer sein – es soll Aufgabe der gesamten Schule werden.“
SPÖ: „Gratis Lesehilfe für jedes Kind“
SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer schlägt in dieselbe Kerbe. „Kinder brauchen zuerst Sprache, Bewegung, Spiel und soziale Beziehungen in der echten Welt“, sagt er zur „Krone“ und fordert: „Lesen darf kein Privileg sein. Es braucht verbindliche kostenfreie Leseförderung für jedes Kind – unabhängig von Herkunft und Einkommen.“
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