Nahe der polnischen Grenze ist in der Nacht auf Sonntag ein Personenzug von einer russischen Drohne getroffen worden. Verletzt wurde niemand, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, den Zug „absichtlich“ angegriffen zu haben. Bei einem weiteren Vorfall musste ein Sonderzug evakuiert werden – an Bord: der britische Ex-Premier Boris Johnson.
Nach Informationen des „Spiegel“ wurde der privat gecharterte Sonderzug zwei Kilometer von der Grenze entfernt teilweise evakuiert, nachdem Drohnen in der Region Wolyn angegriffen hatten. An Bord dieses Zuges waren demnach einer der engsten Berater des deutschen Kanzlers Friedrich Merz (CDU), der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt, Günter Sautter, und der ehemalige britische Premier Johnson, die zu Beratungen in Kiew gewesen waren.
Der deutsche Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, der laut dem Magazin ebenfalls mit dem gecharterten Zug reiste, schrieb im Onlinedienst X, Russland eskaliere immer weiter. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kiew-Warschau und erklärte: „Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war.“ Manchmal entscheide der Zufall, „ob man sicher durchkommt“.
Russland sei „eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert“, schrieb Wagener weiter.
Zweiter Drohnenangriff auf Grenzstadt
Rund 800 Meter von der ukrainisch-polnischen Grenze entfernt wurde zudem die Kleinstadt Jahodyn von einer russischen Drohne getroffen worden, wie der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf X mitteilte. Zunächst hatte es geheißen, der Grenzübergang direkt sei getroffen worden. Das dementierte Sybiha, während des Angriffs wurde der Übergang aber vorübergehend geschlossen.
Russland warf der Ukraine ebenfalls Angriffe vor. So seien laut russischen Behörden in der Teilrepublik Tatarstan zwei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet worden, als eine Drohne in einen Baum stürzte. Dabei wurde ein Auto beschädigt – zwei Insassen starben, zwei weitere wurden schwer verletzt.
Vier weitere Menschen wurden dem Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, zufolge verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrieobjekte und zivile Objekte seien beschädigt worden. In einem nicht näher genannten Unternehmen sei ein Feuer ausgebrochen, das schnell gelöscht worden sei.
Kiew bestätigt Angriffe auf Raffinerien
Der Generalstab in Kiew bestätigte unter anderem einen Angriff auf die Raffinerie Taneko. Einer der Tanks habe sich entzündet. Schon in der Vergangenheit hatte Kiew bei Gegenangriffen die Ölraffinerie in Nischnekamsk getroffen. Die Ukraine attackierte nach eigenen Angaben außerdem die Raffinerie Slawjansk Eko in der russischen Region Krasnodar. Eine Ölverarbeitungsanlage und ein Tankpark seien getroffen worden, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR mit. Ein großflächiges Feuer sei ausgebrochen.
Der Chef des staatlichen russischen Atomenergiekonzerns, Alexej Lichatschow, warf der Ukraine unterdessen einen Angriff auf Diesel-Lastwagen nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja am Freitag vor. Dabei seien zwei russische Soldaten getötet und mehrere weitere verletzt worden. Die Ukraine gefährde damit gezielt die Sicherheit der von Russland besetzten Anlage. Treibstoff ist für Generatoren wichtig, die die Kühlung der Reaktoren bei einem Ausfall der externen Stromversorgung sichern.
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