Pisa-Ergebnisse

Schüler schneiden (fast) überall schlechter ab

Österreich
08.09.2026 11:17
Porträt von krone.at
Von krone.at

Erstmals seit Einführung des Testverfahrens liegen die Leistungen der heimischen Schüler in allen Disziplinen deutlich über dem OECD-Schnitt. Dies aber nur, weil die Erfolge in den anderen OECD-Staaten noch stärker zurückgegangen sind. Es gibt aber auch positive Ausnahmen.

Lange wurde darauf gewartet, am Dienstag war es endlich so weit: Die Pisa-Studie wurde veröffentlicht. Der nach der Corona-Pandemie erstmals verzeichnete Trend setzt sich fort – in Lesen und Mathematik wurden bei den 15-bis 16-jährigen Schülern erneut Leistungsrückgänge festgestellt.

Beim Lesen erreicht in Europa mittlerweile nur mehr Irland den ursprünglichen Mittelwert von 500 Punkten. Mit 467 Punkten rangiert Österreich mittlerweile hinter der Türkei (472), befindet sich dabei aber in guter Gesellschaft der Schweiz (470) oder Deutschlands (465). Auch Finnland rangiert zumindest beim Lesen nur mehr knapp davor (474).

Zuwächse in den Naturwissenschaften
Besonders positiv schlugen sich die heimischen Schüler im diesmaligen Haupttestgebiet Naturwissenschaften mit 497 Punkten. Das ist ein Plus von sechs Punkten gegenüber dem letzten Test 2022 und über dem OECD-Schnitt (482; 2022: 485). Im Lesen kamen die österreichischen Jugendlichen auf 467 Punkte – das ist zwar ebenfalls leicht über dem OECD-Schnitt (461), allerdings ein erneuter Rückgang um 13 Punkte. OECD-weit gingen die Lese-Ergebnisse mit minus 14 Punkten in etwa im gleichen Ausmaß zurück.

Die Infografik zeigt die Ergebnisse des PISA-Tests 2025 für Österreich im internationalen Vergleich. Österreich liegt in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften jeweils über dem OECD-Schnitt. Im Bereich Lernen in der digitalen Welt erreicht Österreich 509 Punkte und liegt knapp vor dem OECD-Schnitt von 500 Punkten. Die Ländervergleiche zeigen, dass China und Singapur die höchsten Werte erzielen, während Österreich im Mittelfeld liegt. In Naturwissenschaften ist Österreich mit 497 Punkten deutlich besser als der OECD-Schnitt. Quelle: APA, OECD.

Gleiches gilt für die Mathematik. Hier kamen die österreichischen 15- und 16-Jährigen auf 477 Punkte. Das liegt klar über dem OECD-Schnitt (463), ist allerdings ein Rückgang um zehn Punkte und damit in etwa das gleiche Minus wie auch OECD-weit (minus neun Punkte). Im erstmals getesteten Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ landeten die heimischen Jugendlichen mit 509 Punkten ebenfalls über dem OECD-Schnitt.

Südkorea und Japan top
Am besten schnitten OECD-weit wie üblich Südkorea und Japan ab, in Europa erreichten Estland (Naturwissenschaften, Mathe, Lernen in digitaler Welt) und Irland (Lesen) die besten Werte. Die absolut besten Ergebnisse erzielten die extra ausgewerteten vier chinesischen Provinzen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang (Nawi: 597, Lesen: 527, Mathe: 612) sowie Singapur (Nawi: 560, Lesen: 535, Mathe: 563).

Wiederkehr ortet „bedenkliche Entwicklungen“
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sah im PISA-Ergebnis „Licht und Schatten“. Einerseits befinde sich Österreich nach wie vor „im internationalen Spitzenfeld“ und habe in den Naturwissenschaften zugelegt. Im Lesen und der Mathematik gebe es hingegen einen „signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen“. Das seien „bedenkliche Entwicklungen, die wir global sehen“, so der Minister vor Journalisten.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS)
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS)(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Handlungsbedarf sieht Wiederkehr in zwei Bereichen: Einerseits gebe es in Österreich nach wie vor einen überdurchschnittlichen Zusammenhang der Leistungen mit der sozialen Herkunft der Schüler. Hier habe man mit der Ausweitung der Sommerschule, den Umstellungen bei der Deutschförderung und der Einführung des Chancenbonus bereits Schritte gesetzt. Eine Trendwende geschehe aber nicht über Nacht.

Lernergebnisse sinken bei früher Bildschirmaktivität
Der zweite Punkt betreffe die Digitalisierung: Diese müsse „später und besser erfolgen“, so Wiederkehr. Es gebe einen Zusammenhang zwischen früher Bildschirmaktivität und sinkenden Lernergebnissen. „Nicht begleitete Digitalisierung in Schulen führt zu schlechteren Ergebnissen.“ Wer zu früh zu lange digitale Endgeräte nutze, könne zwar besser scrollen, im Gegenzug aber komplexere Texte schlechter verstehen.

Konsequenz: „Wir dürfen Haptisches nicht vernachlässigen.“ Die Grundlagen frühkindlicher Bildung müssten gestärkt werden, auch Eltern sollten ihre eigene Bildschirmzeit als Vorbild für die Kinder zurückfahren. Als erste Maßnahme kündigte der Minister – wie schon kurz nach der Budgeterstellung – an, die Ausgabe der vergünstigten bzw. kostenlosen digitalen Endgeräte von der fünften in die sechste Schulstufe zu verlegen – und zwar ans Ende des zweiten Semesters.

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