Sie hatten alles professionell geplant: Sturmhauben, Schreckschusspistole, Schlagringmesser und mehr. Schon Tage davor hatte die Bande das Einfamilienhaus in Eibesbrunn (NÖ) ausgekundschaftet, bevor sie am 2. April einbrachen – und den 15-jährigen Sohn der Familie verletzten und bedrohten. Und auch sein Bruder wurde bereits im Vorfeld Opfer.
Man kann sich kaum vorstellen, wie angsterfüllt, der 15-Jährige gewesen ist, nachdem er von einem lauten Geräusch aus dem Schlaf gerissen wurde. Und ins Wohnzimmer des schmucken Einfamilienhauses nachschauen ging – wo plötzlich drei völlig schwarz bekleidete, maskierte und besonders bewaffnete Männer standen. „Geld her“, forderten sie den Burschen sinngemäß auf.
Bruder Opfer von Schutzgeldbetrug
Was der Jugendliche nicht wusste: Die drei Räuber waren keine Fremden. Mit dem Cousin des Haupttäters hatte der sein Bruder nämlich bereits eine Vergangenheit – eine unschöne. Monatelang betrog ein Mitschüler ihn um Schutzgeld. Die tschetschenische Mafia hätte die beiden Burschen beim Rauchen gefilmt und würden das Video den Eltern zeigen, wenn sie nicht zahlen. Das stimmte natürlich nicht, das Opfer zahlte dennoch fast 64.000 Euro an den gleichaltrigen Syrer. Der wurde dafür im Landesgericht Korneuburg zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt.
„Es wurde ein akribischer Tatplan gemacht“
Aber zurück zum 2. April in dem Einfamilienhaus in Eibesbrunn (NÖ): Der Cousin des jungen Schutzgelderpressers wusste nämlich von ihm, dass dort ordentlich Geld zu holen sei. „Er hat mir gesagt, dass es dort Geld gibt. Ungefähr 200.000 Euro“, sagt der 18-jährige Erstangeklagte. Bereits ein paar Tage vorher habe man das Haus beobachtet. „Es wurde ein akribischer Tatplan gemacht“, so der Staatsanwalt im Landesgericht Wien. Man wartete bis die Eltern und der Bruder nicht zu Hause waren.
Pfefferspray gegen zwei Huskys
Vom weinenden 15-Jährigen ließen sich die Räuber durch Haus führen. „Alles, was sie gefunden haben, was wertvoll hätte sein können, haben sie mitgenommen“, klagt der Staatsanwalt an. Der ältere Syrer gibt zu: „Ich hatte eine Machete und eine Schreckschusspistole.“ Und einen Pfefferspray, mit dem er die zwei Hunde der niederösterreichischen Familie ruhig stellen wollte. Wegen des Windes blieben die beiden Huskys zum Glück unverletzt.
Beim Opfer war das nicht der Fall: Der Bursche hatte neben einer Kopfprellung und einer Zerrung der Halswirbelsäule eine posttraumatische Belastungsreaktion erlitten. Er sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.
Für die Angeklagten setzt es empfindliche Haftstrafen: Der 18-jährige Haupttäter, verteidigt von Anwalt Andreas Reichenbach, fasst sechs Jahre aus – zwei davon muss er ins Gefängnis. Genau, wie der Zweitangeklagte. Der Dritte 40 Monate Haft, davon ein Jahr unbedingt. Der 15-jährige Cousin, der den Denkanstoß zur Tat überhaupt erst gab, kassiert für die Beitragstäterschaft dreieinhalb Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.
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