Nach Umbau startklar

Versuch eines Neubeginns an Grazer „Amok-Schule“

Steiermark
11.09.2026 16:10

Am Montag startet auch am Grazer BORG Dreierschützengasse der Schulbetrieb – so regulär wie möglich. Das vom Amoklauf 2025 gebeutelte Gebäude wurde großflächig umgestaltet. Auf Platz zum Innehalten wurde geachtet. Die Direktorin hofft auf einen guten Weg zurück.

„Guten Tag, Schulwart.“ Roman Jasik schüttelt allen Medienvertretern eifrig die Hand und begleitet sie in die Schule. Die Türen des BORG Dreierschützengasse werden am Montag offiziell für den regulären Schulbetrieb geöffnet. So regulär dieser sein kann.

Alle Schüler kehren aus dem Ausweichquartier in das neu gestaltete Gebäude zurück, schulpsychologische Hilfe wird weiter verstärkt angeboten. „Nachdenken darf man nicht lange“, sagt Jasik. Würde er zu lange nachdenken, würde es für ihn zu emotional werden.

Vor der Schule steht inzwischen eine Bank. Wer sich dort hinsetzt, blickt auf das bemalte Steinherz für Leonie, das Herz für Kaid, jenes für Hanna, auf Schutzengel und Kerzen. Neun Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrerin wurden am 10. Juni 2025 bei einem Amoklauf getötet. Das ist nur eine von vielen Erinnerungen an sie.

Betroffene Klassenräume wurden aufgelöst
„Die Identität des Gebäudes wurde bewahrt, das war uns ganz wichtig. Die betroffenen Räumlichkeiten – jeder weiß, was hier passiert ist – wurden aber aufgelöst“, erklärt Architekt Peter Polding. Laut Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner wurden drei Millionen Euro, die vom Bund bereitgestellt wurden, investiert.

2027 soll noch die Terrasse umgestaltet werden. „Ziel war ein Ort, der Sicherheit vermittelt, gute Lern- und Begegnungsmöglichkeiten schafft, aber auch dem Rückzug und der Erinnerung Platz gibt“, sagt Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ).

Die umgestaltete Bibliothek... Klicken Sie sich durch!
Die umgestaltete Bibliothek... Klicken Sie sich durch!(Bild: Christian Jauschowetz)
Architekt Peter Polding, Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner, Landesrat Stefan Hermann und ...
Architekt Peter Polding, Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner, Landesrat Stefan Hermann und Direktorin Liane Strohmaier(Bild: Christian Jauschowetz)
Schulwart Roman Jasik
Schulwart Roman Jasik(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)
(Bild: Christian Jauschowetz)

So wurde aus einem belasteten Bereich etwa ein Raum der Stille und des Gedenkens. Hinter einem weißen Vorhang glänzt ein schicker Holzboden, daneben eine Sitzbank mit Kissen. Angeschlossen findet sich ein „stiller Garten“. Dort steht ein Baum in der Mitte, umgeben wiederum von Sitzmöglichkeiten und mit nach außen geöffneten Wänden. Das heißt: Dünnes Gitter lässt die Luft durch. Ein Ort zum Durchatmen, Energietanken, Erinnern.

Orte des Gedenkens und der Begegnung
„Es kann aber auch ein Pausenraum sein, ein Raum für Gruppenunterricht, für eine Lesung oder etwa eine Yogastunde“, so der Architekt. Am Gang stehen neue Tische, Sitzpölster, eine Teeküche. Der Bereich könnte auch für den Unterricht genutzt werden.

Ein neues Lichtkonzept erstrahlt über uns, die Sanitäranlagen wurden rundum erneut, es wurde mit sanften Farben gearbeitet. Die beiden Klassenräume, die nun aufgelöst wurden, sind in zwei ehemaligen EDV-Räumen zu finden. Diese wiederum sind in die ehemalige Bibliothek gewandert und die Bibliothek wurde dafür in den Pausenraum integriert.

„Der Schulbetrieb kann starten“, sagt Meixner. Wo jetzt noch vereinzelt Handwerker und das Schulwartteam arbeiten, werden ab Montag mehrere Hundert Schüler den Hallen wieder Leben einhauchen. Viele von ihnen konnten sich schon ein erstes Bild von der umgestalteten Schule machen. Eltern, Schüler und Lehrer waren zudem stark in den Prozess integriert. „Man hat gemerkt, dass alle hier die Schule sehr lieben“, sagt Architekt Polding.

„Ich bin verantwortlich, dass wir die Schule in einen Normalbetrieb zurückführen. Das ist uns mit geeinten Kräften gelungen“, meint Liane Strohmaier zur „Krone“ und bedankt sich bei allen helfenden Händen. Die Schulleiterin musste funktionieren, als alles um sie herum zusammenbrach, sie eine Kollegin und neun Schüler verlor. Trotz dieser harten Zeit schafft sie es, Zuversicht auszustrahlen. Wie es ihr heute geht? „Es geht mir gut, danke.“

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