Gut ausgebildete Fachkräfte sind weiterhin gefragt. Die Lehrbetriebe zeigen sich aber zunehmend zurückhaltend. Die „Krone“ hat sich nach den Gründen dafür erkundigt.
Es ist nicht alles eitel Wonne, wenn es um die Lehre im Burgenland geht. Laut Sabine Lehner, Leiterin Bildung und Lehre in der Wirtschaftskammer, sind in den vergangenen eineinhalb Jahren die Lehrlingszahlen merklich zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Beispielweise gibt es Rückmeldungen, dass der Umgang mit Jugendlichen schwieriger werde. Ein Grund könne die Beeinflussung durch Social Media sein, heißt es.
Manche fehlen für Monate
Manchmal würden die Lehrlinge für Monate ausfallen und im Betrieb fehlen, meint Lehner. Für die Unternehmen sei das eine belastende Situation. Sich von solchen Lehrlingen zu trennen, sei rechtlich nur unter großem Aufwand möglich. „Manche Betriebe tun es sich deswegen nicht mehr an, einen Lehrling auszubilden“, sagt Lehner. Wobei es aber auch sehr viele ausgezeichnete Lehrlinge gebe, die nach der Ausbildung viele Jobchancen hätten und bei denen die Betriebe Schlange stehen würden, meint Lehner.
Lehrlingsausbildung beansprucht viel Zeit
Ein weiterer Grund für den Rückgang sei, dass in manchen Betrieben die wirtschaftliche Situation es nicht mehr erlaube, eine angehende Fachkraft anzulernen. Letztlich sei es eine Ressourcenfrage: „Man muss sich Zeit nehmen und die jungen Menschen auch betreuen. Diese Zeit haben viele einfach nicht mehr. Wenn die Firmen dann noch negative Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben, dann überlegen sie sich das gut, ob sie eine Lehrstelle anbieten.“ Und: Selbst wenn man dann mehrere Jahre in einen Lehrling investiere, könne es passieren, dass dieser nach der Lehrabschlussprüfung zu einem anderen Betrieb wechselt.
Im Burgenland zieht es die Jugendlichen noch immer in die „klassischen“ Branchen: Burschen gehen in Richtung Kfz- oder Elektrotechnik, Mädchen in Richtung Einzelhandelskauffrau oder Kaufmännische Assistentin. Für diese Bereiche gebe es daher viele Bewerber. Das Interesse an der Ausbildung zur Friseurin habe hingegen nachgelassen.
Falsche Erwartungen an Ausbildung
Gefragt seien Fachkräfte aber in so gut wie allen Branchen. Im Bereich Glasbautechnik oder Tourismus würden sich weniger Bewerber finden. Warum entscheiden sich dann trotzdem viele für die „Klassiker“? Das hänge mit dem regionalen Angebot zusammen, erklärt Lehner. Lehrlinge hätten keinen Führerschein, der Lehrbetrieb in der Umgebung werde daher bevorzugt. Teilweise gebe es allerdings auch falsche Erwartungen an die Ausbildung – was dann zu Misserfolg und Frust führen könne.
Leider herrsche auch oft noch das Bild vor, dass die Lehre der „letzte Ausweg“ sei, wenn es mit der Schule nicht so gut klappe. Eltern würden ihre Kinder keine Lehre machen lassen, weil sie eine andere Ausbildung als höherwertig ansehen würden. Tatsache sei aber: „Fachkräfte sind gefragter denn je.“ Auch die Jobchancen seien oft besser als nach einem Studium. Und: Die KI stellt für Handwerksberufe keine Bedrohung dar. „Die Künstliche Intelligenz wird keine Haare schneiden können oder ein Haus bauen“, sagt Lehner.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.