Tödlicher Absturz

„Kontrollierte Notlandung wäre möglich gewesen“

Oberösterreich
11.09.2026 15:18

Warum ist das aus Salzburg kommende Schulungsflugzeug vor zwei Wochen in den Attersee gestürzt, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren? Eine Frage, die auch das Flugunternehmen, dem die Propellor-Maschine gehört hatte, nicht beantworten kann. Am Freitag bezog es zu dem furchtbaren Unglück erstmals öffentlich Stellung.

„Wie ein Stein“ war laut Augenzeugenberichten am 26. August ein Kleinflugzeug der Flugschule Skygate Aviation Academy bei Steinbach in den Attersee gestürzt. An Bord saßen der 24-jährige Benedikt K. und die 19-jährige Fiona H. (beide aus Deutschland). Der Fluglehrer und seine Schülerin konnten erst Tage später nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden. 

Zahlreiche Einsatzkräfe von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz standen im Großeinsatz.
Zahlreiche Einsatzkräfe von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz standen im Großeinsatz.(Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR)

Die Unglücksursache ist rätselhaft. Am Freitag meldete sich das Luftfahrtunternehmen mit Sitz in Salzburg-Wals erstmals zu Wort. 

„Wir haben uns in den vergangenen zwei Wochen bewusst nicht öffentlich zu den Umständen geäußert. Das war weder Ausdruck von Gleichgültigkeit noch ein Versuch, uns einer öffentlichen Verantwortung zu entziehen. Im Gegenteil: Als Luftfahrtunternehmen sehen wir es bei einer laufenden Flugunfalluntersuchung als unsere Verantwortung, die zuständigen Behörden bestmöglich zu unterstützen und die laufenden Ermittlungen nicht durch voreilige oder unvollständige Informationen gegenüber den Medien zu beeinflussen“, betont Skygate in einer schriftlichen Stellungnahme.

Am Wasser mussten Ölsperren eingerichtet werden.
Am Wasser mussten Ölsperren eingerichtet werden.(Bild: Matthias Lauber/laumat.at)

Erfahrener Pilot
Benedikt K. habe bei ihnen eine komplette Ausbildung vom fliegerischen Einstieg bis zum fertigen Airlinepiloten absolviert. „Wir kannten ihn seit seinem ersten Tag als einen motivierten, engagierten und sehr strukturierten jungen Mann. Nur wenigen Absolventen bieten wir nach Abschluss ihrer Airlinepilotenausbildung die Möglichkeit, selbst als Fluglehrer bei uns tätig zu werden. Benedikt war ordentlich, zuverlässig, stets pünktlich und höflich“, so das Unternehmen.

Seine Fluglehrerausbildung absolvierte K. mit sehr gutem Erfolg. Im Dezember 2025 nahm er seine Tätigkeit als Fluglehrer auf. Er verfügte zum Zeitpunkt des Unfalls über mehr als 300 Stunden praktische Erfahrung als Fluglehrer auf Luftfahrzeugen, weiters über mehr als 60 Stunden auf Flugsimulatoren sowie über zahlreiche Stunden als Theorielehrer. „Er war damit bereits ein erfahrener Fluglehrer.“

(Bild: Matthias Lauber/laumat.at)

Darüber hinaus habe er erfolgreich eine UPRT-Ausbildung absolviert, die unter anderem die Fähigkeiten vermittelt, ungewöhnliche Flugzustände zu erkennen und ein Luftfahrzeug auch aus schwierigen Fluglagen wieder ein einen kontrollierten Zustand zurückzuführen. 

Schülerin hätte Geradeausflug halten können
Fiona H. sei bereits in Deutschland mit Kleinflugzeugen mitgeflogen. Bei Skygate hatte sie die komplette theoretische Privatpilotenausbildung absolviert und mit einer Prüfung erfolgreich abgeschlossen. Gleiches galt für die Funksprechausbildung und das Flugsimulatortraining. „Nach Einschätzung der mit ihrer Ausbildung befassten Fluglehrer wäre sie aufgrund ihrer bisherigen Ausbildung grundsätzlich in der Lage gewesen, das Luftfahrzeug im Fall eines Ausfalls des Fluglehrers zumindest in einer sicheren Höhe im Geradeausflug zu halten“, so Skygate.

Unter Anleitung und Unterstützung über Funk durch die Flugsicherung wäre Fiona auch eine sichere Rückkehr zum Flughafen Salzburg möglich gewesen. „Sie hätte aufgrund ihrer Ausbildung zudem das Funkgerät bedienen und mit der Flugverkehrskontrolle Kontakt aufnehmen können, um Unterstützung zu erhalten.“

Um Raum für Trauer und Verarbeitung zu schaffen, habe das Unternehmen den Flugbetrieb für einige Tage vollständig geschlossen. Einige Mitarbeiter und Flugschüler nahmen die Unterstützung des Kriseninterventionsteams in Anspruch. Am 2. September  sei der Flugbetrieb wieder aufgenommen worden.

Frisch von der Wartung 
Das Flugzeug des Typs Tecnam P2002JF war vor vier Jahren beim Hersteller erworben worden. Unmittelbar vor dem Unfall sei es einer 100-Stunden-Kontrolle in einem Wartungsbetrieb unterzogen worden. Benedikt K. hatte es von dort nach Salzburg überstellt. Er sollte am Unglückstag nach einem gründlichen Außencheck neben Fiona K. auch noch mit einem zweiten Flugschüler einen 30 bis 45 Minuten dauernden Erstflug durchführen. Beide waren gut vorbereitet. „Bei einem solchen Erstflug werden keine Slow Fights, keine Steilkurven und keine Notverfahren trainiert.“

Welche Unglücksszenarien sind denkbar? Ein wetterbedingtes Ereignis, eine Kollision mit einem anderen Luftfahrzeug oder einem Paragleiter kann ausgeschlossen werden. Auch auf eine Explosion oder einen Brand gebe es keine Hinweise. Auf einem Absturzvideo sei zu erkennen, dass sich Tragflächen, Leitwerk und Steuerflächen bis zum Absturz am Flieger befanden. „Auch ein Problem mit Sauerstoffmangel oder Druckverlust kann aufgrund der Flughöhe ausgeschlossen werden.“

(Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR)

Als technische Defekte wären etwa eine Blockierung oder ein Bruch der Steuerflächen, ein Instrumentenausfall, ein Vogelschlag oder auch ein Propellerbruch denkbar.

Zahlreiche Notlandeflächen
„Bei derartigen technischen Szenarien wären grundsätzlich aber noch eine kontrollierte Notlandung möglich gewesen. In der Umgebung befanden sich zahlreiche mögliche Notlandeflächen“, rätselt Skygate. Warum eine solche Möglichkeit im konkreten Fall nicht genutzt wurde sei daher eine der zentralen offenen Fragen.

Auch gegen die Überlegung, dass vielleicht eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zu einer Bewusstlosigkeit geführt habe, würden mehrere Szenarien sprechen. Bei den hohen Außentemperaturen sei nicht davon auszugehen, dass die Heizung eingeschaltet war. Das Flugzeug verfügte außerdem über einen Kohlenmonoxid-Detektor. Benedikt K. habe außerdem laut Kollegen regelmäßig einen elektronischen Handdetektor für Kohlenmonoxid und Kohlendioxid verwendet. „Hier ist insbesondere die toxikologische Untersuchung im Rahmen der Obduktion abzuwarten.“

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