Wieder einmal mehr gibt es Erregung um den Jahrestag des Sieges über die türkischen Belagerer Wiens am 12. September des Jahres 1683. Die als rechtsextrem punzierten Identitären wollen nämlich eine Demonstration am Kahlenberg veranstalten, was natürlich sofort linke Gegendemonstranten auf den Plan ruft. Den einen geht es um ein Zeichen gegen illegale Migration und Islamisierung, den anderen um eines gegen vermeintlichen Rassismus. Und all das vor der Gedenktafel für den damaligen Oberkommandierenden, den Polen-König Jan Sobieski, dem man bis heute in Wien ein entsprechendes Denkmal verweigert.
EINERSEITS heißt es von offizieller Seite, dass man keine Pilgerstätte für rechtsextremistische Türken- und Islam-Hasser schaffen wolle.
ANDERERSEITS besteht somit die Gefahr, dass man blinde Flecken in der eigenen historischen Identität erzeugt, indem man politisch korrekt Schlüsselereignisse der österreichischen Geschichte auszublenden versucht. Und wenn aktuelle Publikationen nun behaupten, der türkische Vorstoß des Jahres 1683 sei kein Konflikt zwischen Christentum und Islam gewesen, sondern einer zwischen zwei Imperien, ignoriert man, dass die Osmanen damals eben die Speerspitze des Islams waren und die Verteidiger Wiens das Bollwerk des christlichen Abendlandes.
Und genau deshalb wird man dem damaligen Türken-Sieg eine tiefere symbolische Bedeutung – auch für heute – nicht absprechen können.
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