„Krone“-Kommentar

Rot-Pink hat entschieden: Lueger ja, Lugner nein!

Kolumnen
12.09.2026 06:00

Für die Fans von Richard Lugner ist es ein Schlag ins Gesicht. Der Kulturausschuss der rot-pinken Wiener Stadtregierung hat den Antrag, im 19. Bezirk einen Park nach dem 2024 verstorbenen Baumeister und Society-Löwen zu benennen, abgelehnt.

Und das, obwohl die Döblinger Bezirksvertretung mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP, aber auch von SPÖ und NEOS sich mehrheitlich dafür ausgesprochen hatte. Lugner lebte über mehrere Jahrzehnte hinweg in dem Wiener Nobelbezirk und ist auch auf dem Grinzinger Friedhof begraben.

Die Begründung: Lugners „wiederholte homophobe Äußerungen, sein öffentlichkeitswirksamer und sexistischer Umgang mit seinen Partnerinnen sowie einzelne öffentliche Aussagen“ – mit letzterem ist wohl seine FPÖ-Nähe und die eines Großteils seiner Nachkommen gemeint. Lugners unumstrittene Leistungen als Unternehmer und Opernball-Gastgeber zählen also gar nichts.

Für eine Stadt, die dem umstrittenen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ein Denkmal gesetzt hat, ist das schon sehr merkwürdig. Dass jemand, der Alfons Haider vor langer, langer Zeit einmal einen „homosexuellen Vogel“ genannt hat, ist also ein Ausschließungsgrund, Antisemitismus aber ist 100 Jahre lang kein Problem?

Die Lueger-Statue befindet sich seit Anfang 2026 bekanntlich in Schieflage, genau gesagt wurde sie 3,5 cm nach rechts gekippt, um „Unwohlsein und Irritation“ auszulösen. Den Dr. Karl-Lueger-Platz gibt's aber weiterhin.

Hauptsache, es gibt keinen Richard-Lugner-Platz.

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