„Krone“-Kommentar

Was wurde eigentlich aus Stockers „2-1-0-Formel“?

Kolumnen
12.09.2026 09:47

Vor rund einem Jahr präsentierte Bundeskanzler Christian Stocker in den ORF-Sommergesprächen seine „2-1-0-Formel“. Die Botschaft: Wir senken die Inflation 2026 auf 2 Prozent, schaffen 1 Prozent Wachstum, und wir zeigen null Toleranz gegen jene, die sich nicht an unsere Gesetze halten.

Stocker wusste, dass Menschen in unsicheren Zeiten keine komplizierten Tabellen wollen, sondern klare Versprechen. Die Formel war nie nur Ökonomie, sie war Psychologie und sollte Sicherheit und Entwicklungschancen vermitteln.

Doch nun, ein Jahr später, schauen wir auf die neuen Prognosen für 2026. Die Inflationsrate wird voraussichtlich bei drei Prozent liegen – weit weg von den anvisierten 2 Prozent. Die Teuerung frisst die Kaufkraft, und der mühsam erkämpfte soziale Frieden bröckelt angesichts steigender Preise.

Und das Wirtschaftswachstum? Es dürfte heuer bei 0,5 Prozent oder etwas darüber liegen. Jedenfalls nicht bei der von Stocker gewünschten 1. Keine Punktlandung, aber immerhin kein Absturz.

Fairerweise muss man sagen: Wer hätte mit einem derart sprunghaften Energiepreisanstieg rechnen können? Die geopolitischen Verwerfungen, Trumps Konfrontationskurs gegen den Iran – das sind Faktoren, die jeden Kanzler kalt erwischen. Stocker ist nicht schuld am Teuerungsschub.

Bei Inflation und Wachstum muss der Kanzler die Zielmarken nun um mindestens ein Jahr nach hinten verschieben. Entscheidend ist aber, dass die „2-1-0-Formel“ als Kompass erhalten bleibt, auch wenn zuletzt kaum noch von ihr die Rede war. Denn die Ambition war richtig. Jetzt heißt es „dran bleiben“!

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