Nächste Teuerung?

Rübenernte bricht ein: Europa droht Zucker-Engpass

Burgenland
11.09.2026 05:00

In Österreich werden in den kommenden Wochen die Zuckerrüben aus dem Boden geholt – aufgrund der Dürre später als üblich. Für die Bauern steht eine Ernte mit vielen Fragezeichen bevor: Trockenheit, Schädlinge und schrumpfende Anbauflächen setzen ihnen massiv zu. Zudem drohen die schlechtesten Erträge seit Jahren – mit möglichen Folgen für den Zuckerpreis.

Nach einem traumhaften Witterungsverlauf und einem Parade-Erntejahr im Vorjahr verlief das Jahr 2026 für Österreichs Rübenbauern bislang alles andere als einfach. Von Jänner bis April war es außergewöhnlich trocken, der Frühling war sogar der trockenste seit Beginn der Messgeschichte.

Besonders hart traf es das Burgenland mit Niederschlagsdefiziten von bis zu 85 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel. Zwar sind Rüben im Vergleich zu Mais etwas resistenter und können im Boden schon von wenig Wasser profitieren. Doch die Dürre im Sommer beeinträchtigte auch ihr Wachstum enorm. Kein Wunder, dass nun massive Ertrags- und Qualitätseinbußen drohen.

Ernte um ein Drittel geringer
„Der Nahrungsmittelkonzern Agrana führt zurzeit an zig Standorten in Österreich Proberodungen im Abstand von zwei Wochen durch. Dabei wird auf einer bestimmten Fläche die geerntete Menge verwogen. Diese Probeziehungen werden dann auf einen Durchschnittsertrag für die zu erwartbare Ernte hochgerechnet“, erklärt Markus Fröch aus Kleinfrauenhaid (54), seit 2017 Präsident der Burgenländischen Rübenbauern.

Markus Fröch, der Präsident der Burgenländischen Rübenbauern, beim „Krone“-Lokalaugenschein
Markus Fröch, der Präsident der Burgenländischen Rübenbauern, beim „Krone“-Lokalaugenschein(Bild: Reinhard Judt)

Das Ergebnis ist ernüchternd: „Während die errechnete Ernte 2025 bei 79 Tonnen pro Hektar lag, rechnet man heuer österreichweit mit historisch niedrigen Erträgen, die im Schnitt bei zirka 56 Tonnen pro Hektar liegen werden. Das entspricht einem Minus von 30 Prozent! Die Rüben kämpfen also ums Überleben und sind wesentlich kleiner als sonst.“

Faulige oder verdorbene Rüben entwickeln einen unangenehmen Geruch.
Faulige oder verdorbene Rüben entwickeln einen unangenehmen Geruch.(Bild: Reinhard Judt)

Kann spätere Ernte die Rüben retten?
Aufgrund dessen werde auch der Zuckerertrag – jede Rübe besteht aus rund 17 Prozent Zucker – geringer ausfallen. Um den Rüben noch ein wenig Zeit zum Gedeihen zu geben, wird nicht planmäßig Mitte September mit der Ernte begonnen, sondern erst am 5. Oktober. Zwei Tage später startet dann die Verarbeitung. „Sollte es im September kaum mehr regnen, kann sich der Ertrag sogar noch nach unten bewegen“, sagt Fröch. Doch auch zu viel Niederschlag wäre fatal: „Das könnte die Rüben nach der Dürre zusätzlich stressen – und zu Fäulnis führen.“

Erschwerend hinzu kommt, dass die Anbauflächen in den vergangenen Jahren stark reduziert wurden. Wurden 2017 im Burgenland noch mehr als 4000 Hektar bewirtschaftet, werden jetzt nur noch 1700 Hektar Rüben angebaut. Auch österreichweit stehen nur noch 21.000 Hektar zur Verfügung. Heuer wurde zwar insgesamt wieder mehr kultiviert, aber durch das Rüsselkäferdilemma im Weinviertel im Frühjahr wurden viele Rüben zerstört. Eine Lösung für dieses Problem gebe es nicht, weil Insektizide nicht mehr zugelassen seien, sagt Fröch.

Zitat Icon

Wird der nächste Sommer wieder so heiß und trocken, wäre das für Bauern der Super-GAU. Das hält kein Betrieb durch. Die Kosten galoppieren jetzt schon davon.

Markus Fröch, Präsident der Burgenländischen Rübenbauern

Auch im Burgenland sei die Situation schwierig: „Im Seewinkel haben die Landwirte ein Riesenproblem mit der Bewässerung. In den Bezirken Eisenstadt-Umgebung, Mattersburg und Oberpullendorf kämpfen sie gegen die Zikade, die im Juli Bakterien in die Rübenkörper übertrug, die dann verfaulten. Viele Bauern haben daher schon aufgegeben. Aktuell gibt es nur noch 200.“ Ziel aller Rübenbauern in Österreich sei es daher, für 2027 rund 25.000 Hektar Anbaufläche unter Vertrag zu bekommen.

„Agrana“ spielt für die österreichische Zuckerproduktion eine Schlüsselrolle. Seit 2025 ist die ...
„Agrana“ spielt für die österreichische Zuckerproduktion eine Schlüsselrolle. Seit 2025 ist die gesamte Zuckerproduktion am Standort Tulln konzentriert. Hier befindet sich auch das zentrale Zuckermagazin, in dem sämtliche Zuckersorten der Marke „Wiener Zucker“ erzeugt, abgepackt, gelagert und ausgeliefert werden.(Bild: Imre Antal)

Weniger Zucker, höhere Preise
Wie sich die magere Ernte auf den Rüben- und Zuckerpreis auswirken wird, könne man erst 2027 mit Sicherheit sagen. Da ende nämlich erst das Geschäftsjahr 2026, so Fröch. Aufgrund der Dürre sei die Lage in anderen Ländern Europas jedenfalls nicht besser. Nur in Polen und in Teilen Rumäniens habe es etwas mehr Niederschlag gegeben, sodass die Rüben halbwegs normal aussehen: „Laut Prognose der Zuckerindustrie werden im Oktober 2027 alle Zuckerlagerbestände in Europa besenrein sein. Das heißt, dass dann alle Reserven aufgebraucht sind.“

Der jährliche Zuckerverbrauch der Österreicher liegt grob bei 247.000 Tonnen. Das entspricht ...
Der jährliche Zuckerverbrauch der Österreicher liegt grob bei 247.000 Tonnen. Das entspricht rund 26,8 Kilogramm pro Kopf.(Bild: VV Voennyy/stock.adobe.com)

Leere Lager könnten den Rüben- und Zuckerpreis dann deutlich nach oben treiben, sagt Fröch. Steigt das Angebot nicht wieder, müssen auch Lebensmittelhersteller mit höheren Kosten rechnen – etwa für Süßwaren, Getränke oder Backwaren: „Für Europas Rübenbauern könnte die Knappheit höhere Preise und damit einen Anreiz für mehr Anbau bedeuten. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass Importe wichtiger werden, um die Zucker-Versorgung in Europa abzusichern.“

 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

13° / 17°
Symbol leichter Regen
12° / 17°
Symbol Regen
12° / 16°
Symbol Regen
13° / 17°
Symbol Regen
12° / 16°
Symbol Regen
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung