Der Wiener Bezirk Döbling wollte eine Grünfläche im Heurigenort Grinzing nach dem 2024 verstorbenen Baumeister Richard Lugner benennen, doch die Stadt legt sich quer. Jetzt spricht seine Ex-Frau und will nicht locker lassen.
Es ist eine unscheinbare Fläche, der Grinzinger Anger, mitten im Ortskern des Heurigenortes. Sie hätte Richard Lugners Namen tragen sollen – als Park, Platz oder Allee. Daraus wird aber nichts. Die Stadt erteilte dem eine Absage. Wegen „homophober und sexistischer Aussagen“, wie es dazu aus dem Rathaus heißt. Seine Witwe Simone Lugner und seine Tochter Jacqueline kritisierten die Entscheidung scharf als unfaire politische Bewertung seines Lebenswerks.
Jetzt meldet sich auch seine Ex-Frau Christina „Mausi“ Lugner dazu. „Richard hat gebaut, investiert, Arbeitsplätze geschaffen, Menschen unterhalten und sich immer wieder für seine Stadt eingesetzt. Er war mutig genug, Dinge zu tun, die andere niemals gewagt hätten. Ja, er war manchmal laut, manchmal provokant und sicher nicht immer bequem. Aber genau solche Persönlichkeiten fehlen einer Stadt, wenn sie nicht mehr da sind“, sagt seine Ex-Frau bewegt.
Richard war eine Wiener Institution und hätte sich diese Auszeichnung verdient. Er hat diese Stadt geliebt und Wien hat durch ihn viel bekommen.

Ex-Frau Christina „Mausi“ Lugner
Bild: Andreas Tischler
„Kein Kommentar“ gibt es dazu auf „Krone“-Anfrage aus dem Büro der zuständigen Kulturstadträtin Veronika Kaup Hasler. Nur so viel: Die Leistung des Unternehmers solle nicht geschmälert werden, heißt es vom Unterausschuss im Rathaus. Dennoch würden „die Aspekte überwiegen, die gegen eine dauerhafte Ehrung sprechen“. Als Gründe dafür wurden unter anderem seine wiederholten homophoben Äußerungen sowie einzelne öffentliche Aussagen genannt, die mit dem Anspruch an eine solche Benennung nur schwer vereinbar sind.
Dazu gehöre etwa sein Kommentar über FPÖ-Chef Herbert Kickl, dem er sinngemäß nahelegte, an die ukrainisch-russische Front zu gehen, damit er dort erschossen werde. Skurril: Der Antrag wurde in der Döblinger Bezirksvertretung mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ, FPÖ und Neos beschlossen.
Es gibt aber auch noch eine andere Örtlichkeit in Wien, die nach Lugner benannt werden könnte. Etwa in Rudolfsheim-Fünfhaus. Dort steht mit der Lugner City, einem großen Shopping-Tempel, Lugners wohl wichtigstes Vermächtnis. Das Büro von Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht (SPÖ) winkt auf „Krone“-Anfrage ab: „Geplant ist derzeit nichts.“ Mit der Lugner City befinde sich aber ohnehin das größte Wahr- und Markenzeichen im Bezirk. Und: „Entscheidungen politischer Mandatare im Rathaus kommentieren wir nicht.“
Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP) kündigt jetzt in der „Krone“ an, den legendären Bauherrn im Bezirk zu würdigen. Wie, ist derzeit allerdings noch offen. „Richard Lugner war ein Wiener Original, ein leidenschaftlicher Döblinger mit Herz und Seele und jemand, der Wien über Jahrzehnte geprägt hat. Daher verdient auch einen Platz in der Geschichte unseres Bezirks“, so der Bezirkschef. Resch möchte dazu nun so schnell wie möglich Gespräche mit allen politischen Fraktionen führen.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.