Der ewige Stau IV

Nicht jeder darf in die Salzburger Altstadt hinein

Salzburg
10.09.2026 06:00

QR-Codes scannen im Vorbeifahren, Sperren bei Regen, zu Mittag und ein Abbiegeverbot! Zum Darüberstreuen erfand die Politik die komplizierte „14- Punkte-Verordnung“ und das Fiasko mit den vielen Reisebussen, die die Straßen verstopfen. Die „Krone“-Serie von Hans Peter Hasenöhrl zeigt auf, wieso Salzburg den Titel „Stau-Hauptstadt“ trägt.

„Eine ausgefüllte und unterschriebene Arbeitnehmer-innen Bestätigung ist bei der Zufahrt mitzuführen.“ Im groben Amtsdeutsch verfasst (und brav gegendert) war dies einer jener 14 Punkte, mit denen die Stadtregierung ihre neueste Idee zum Thema Stau durchsetzen wollte. Nicht alle dürfen rein! Haben Sie ein S, SL, HA, BGL, BGD, REI oder LF-Kennzeichen am Auto? Oder nachweislich einen Termin in der City? Vielleicht sind Sie auf dem Weg zum Mediziner? Dann durften Sie im Juli und August 2026 das Zentrum Salzburgs anvisieren. Und natürlich auch wieder verlassen. Da sich der komplizierte Verordnungstext nicht mehr auf eine übersichtliche Tafel drucken ließ, wählte die Stadt den QR-Code. Zu sehen war dies bei den Stadteinfahrten auf gelben Tafeln am Straßenrand.

„Quick Response“ (schnelle Antwort) bedeutet die vom Japaner Masahiro Hara entwickelte quadratische Matrix mit den schwarzen und weißen Symbolen. Bis zu 4296 Buchstaben oder Zeichen und 7089 Zahlen können gespeichert werden. Voraussetzung: Man muss den Code mit dem Handy laden. Was beim Vorbeifahren in der Kolonne eine ruhige Hand und flinke Finger erforderte. Keine Angst: Es kontrollierte eh keiner und die Gäste der Festspiele mussten auf ihre lieb gewonnene abendliche Auffahrt im Blitzlicht-Gewitter der Hofstallgasse nicht verzichten. Das war immer so und daher bleibt es so. Zeit für einen historischen Überblick.

Die Polizei kontrollierte fallweise die Sperre der Altstadt.
Die Polizei kontrollierte fallweise die Sperre der Altstadt.(Bild: Andreas Tröster)

GESPERRT
Vier vorgesehene Jahre ab 1990 überlebte die „Altstadtsperre für Kfz. mit Verbrennungsmotoren“ nicht. Sie galt an Sonn-und Feiertagen von 8 bis 20 Uhr und wurde einfach nicht wahrgenommen. Irgendwann versandete sie. Kaum einer kann sich daran erinnern.

VERREGNET
Beschimpfungen in allen gängigen Sprachen der Welt vernahmen Polizisten, als sie den Befehl durchzusetzen versuchten, bei Schlechtwetter ausländische Autofahrer nahe dem Flughafen zu stoppen. Diese „Regensperre“ dauerte von 1992 bis 1997, doch die Polizei salutierte schon vorher ab: Die Stadt solle lieber ihren Wachdienst einsetzen, der aber jagte Parksünder. So zogen Touristen das Stop & Go-Sightseeing durch: Im Schneckentempo vom Autofenster aus die barocke Altstadt betrachten. Manche verirrten sich bis auf den Residenzplatz.

ABGEBOGEN
Besonders kompliziert gestaltete sich ein „Stau-Management“ 2013: Das Abbiege-Verbot nach rechts bei der Staatsbrücke in Richtung Altstadt ab 10 Uhr vormittags bis 14 Uhr brachte nur noch mehr Verwirrung. Und es war unkontrollierbar.

AUFGEGRABEN
Eine Kanal-Baustelle ausgerechnet vor dem Neutor erfüllte den Lieblingswunsch von Verkehrsstadtrat Johann Padutsch: Von Februar 2015 bis zum Beginn der Sommerfestspiele gab es eine Sperre des Neutors. Aufmüpfigen Bürgern in Mülln drohte der Grüne mit einer Totalsperre, sie hatten über den Ausweichverkehr genörgelt. Enthusiastisch verkündete die Propaganda des Magistrats Erfolge. Tatsächlich mieden die Salzburger in der Zeit die Innenstadt.

ABGEDREHT
Mit einer klaren Ansage begann Bernhard Auinger seinen Gemeinde-Wahlkampf 2019. Er wolle das Neutor sperren, falls ihn die Bürger zum Stadtchef küren sollten. Das Urteil mit dem Stimmzettel war eindeutig. Am Tag danach legte Auinger eine Vollbremsung hin: Der Vorschlag sei die Ursache seiner Niederlage gegen Harald Preuner gewesen. Weg damit.

Einer von zwei: Der Bus-Terminal im Nonntal.
Einer von zwei: Der Bus-Terminal im Nonntal.(Bild: Andreas Tröster)

GEPENDELT
Kommen Ihnen beim Weg zur allwöchentlichen „Schranne“ immer doppelstöckige Reisebusse entgegen? Verzweifeln Sie im Nonntal, weil Mega-Liner aus ganz Europa im Konvoi dahin zuckeln und die Kreuzungen lahm legen? Das war schon immer so und daher bleibt es auch so, denn das ist das Reisebus-Konzept von Salzburg. Online angemeldet, 70 Euro überwiesen und schon steuern die Lenker die Paris-Lodron-Straße oder den Terminal Nonntal an. Die Gruppen steigen rasch aus, werden gesammelt durch den Mirabellgarten oder das Kaiviertel gelotst, dürfen am Feingold-Steg ein paar Liebesschlösser anhängen oder in der Getreidegasse eine Bosna mampfen und natürlich Mozarts Geburtshaus fotografieren.

Die Busse zuckeln inzwischen zu eigens eingerichteten Parkplätzen in Kasern und an der Alpenstraße, sie holen dann nach Mittag die Gäste wieder ab und fahren mit ihnen weiter, vielleicht nach Hallstatt, dort soll es noch ärger zugehen. Dieselwolken nebeln die Nord- und Süd-Routen ein und blockieren den Verkehr. Dazwischen reihen sich die knallgelben Hop-on, Hop-off (Spring-auf, Spring-ab)-Sightseeing-Busse auf der O-Bus-Spur ein. Sie bekamen eine Linienkonzession, weil immer wer in dieser Stadt irgendwen kennt, der irgendwas machen kann. Die Linie „Eagles nest“ (Adlerhorst) führt übrigens nicht zum Tiergarten, sondern Richtung Obersalzberg, denn der Hitler-Tourismus zieht immer noch Gäste an.

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