„Krone“-Autor Harald Petermichl hat sich in seiner neuesten Kolumne eingehend mit der englischen Fußballliga beschäftigt, die feiert bald Geburtstag. Und seit sie am 8. September 1888 gegründet wurde, hat sich doch ziemlich viel getan.
Eingedenk der teilweise recht abenteuerlichen Brief-Laufzeiten bei der Post könnte es eng werden, wenn man für den kommenden Dienstag noch Geburtstagswünsche versenden möchte. Besser also fernmündlich. An Jürgen Säumel etwa, den mittlerweile entlassenen Meistermacher des SK Sturm Graz. Oder an Herbert Waas, der es in den 1980ern vom VfB Passau-Grubweg bis ins DFB-Team geschafft hat. Grüße an Markus Babbel kann man sich sparen, weil der eh vorwiegend grantig ist und oft recht sonderbare Dinge von sich gibt. Wobei das sporthistorisch wirklich wichtige Wiegenfest an diesem Tag keine Einzelperson betrifft, sondern eine ganze Liga. Nicht irgendeine, denn am 8. September 1888, selbstverständlich an einem Samstag, nahm in England mit der „Football League“ die weltweit erste Profi-Fußballliga den Spielbetrieb auf.
Zwölf Teams spielten den Meister aus, der Preston North End hieß und am Ende 13 Punkte vor Aston Villa aus Birmingham lag. 18 Siege und vier Unentschieden hatte der heutige Zweitligist erzielt und kein einziges Mal verloren. Ein Kunststück, das erst über ein Jahrhundert später vom FC Arsenal wiederholt werden sollte. Apropos: Weder die Gunners noch der FC Chelsea tauchen in dieser Liga auf, von Manchester City oder Liverpool FC ganz zu schweigen. Dafür durften „The Invincibles“ aus Preston die Kräfte mit Gegnern wie dem FC Accrington oder dem bekanntlich von Sprungfedernfabrikarbeitern gegründeten Club West Bromwich Albion messen. Wer damals abgestiegen ist? Das ist eine ganz besondere Geschichte. Very british und heutige „Fahrstuhlmannschaften“ können davon nur träumen.
Denn die letzten vier der Tabelle, FC Burnley, Derby County, Notts County und der FC Stoke mussten sich lediglich einem administrativen Bewerbungsverfahren für die nächste Saison unterziehen, an dem noch neun weitere Clubs teilnahmen. Mitchell St. George’s beispielsweise oder der FC Bootle. Auf der Jahreshauptversammlung der Football League haben Funktionäre dann darüber abgestimmt, wer in der Folgesaison wieder dabei sein durfte. Mit dem Ergebnis, dass alle vier Gründungsmitglieder sich über den Ligaerhalt freuen konnten. Erfolglos mit dabei in diesem Verfahren war seinerzeit auch ein von den Eisenbahnwerkstätten der Lancashire and Yorkshire Railway gegründeter Club namens Newton Heath LYR Football Club. Sollte das jemandem nichts sagen: 1902 wurde er in Manchester United umbenannt und konnte schon 1908 den ersten nationalen Titel erringen. Da hieß die Football League aber schon längst First Division.
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