Ach, übrigens...

Bodensee-Weltauswahl

Vorarlberg
30.08.2026 12:25

In seiner neuesten Kolumne beschäftigte sich „Krone“-Autor Harald Petermichl mit den Zeiten vor dem Bosman-Urteil und seinen Konsequenzen für den heimischen Fußball. Die treten in dieser Saison auch bei SW Bregenz zu Tage.

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da konnten sich Fußballtrainer noch lächerlich machen, weil sie regelwidrig zu viele ausländische Spieler auf den Platz brachten. Christoph Daum etwa, der als Coach des VfB Stuttgart in der Qualifikation zur Champions League 92/93 gegen Leeds United mit Jovica Simanic einen dritten Nicht-Germanen einwechselte, was zum Ausscheiden aus dem Bewerb führte. Oder Winnie Schäfer in Karlsruhe: Obwohl der Stadionsprecher vor einem anstehenden Wechsel noch verzweifelt „Winnie, zähl deine Ausländer!“ rief, kam mit Sergej Kirjakov ein Russe zu viel auf den Platz und die Punkte waren futsch. Seit dem „Bosman-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofes von 1995 kann so etwas nicht mehr passieren und Bundesligaclubs können mittlerweile beliebig viele Ausländer aus der ganzen Welt einsetzen.

Winnie Schäfer hatte auch schon zu viele Legionäre auf dem Platz.
Winnie Schäfer hatte auch schon zu viele Legionäre auf dem Platz.(Bild: AFP/RABIH MOGHRABI)

Ein Blick in die zweite österreichische Liga zeigt, dass dort der Österreicher-Anteil erfreulicherweise hoch bis sehr hoch ist. Das ist auch gut so, denn irgendwann müssen die Eigengewächse aus den Jugendmannschaften Spielpraxis unter professionellen Bedingungen sammeln können. Die Kaderlisten eines großen Fachmagazins, das mit „K“ beginnt und auf „icker“ endet, weisen für den FAC aus Floridsdorf eine Österreicher-Quote von 92,3 Prozent aus und mit 88,9 % muss sich auch der Sportklub Union Ertl Glas Amstetten nicht verstecken. Wacker Innsbruck wäre mit knapp unter 50 % schon das Schlusslicht in dieser Reihung, gäbe es da nicht noch die „SC Schwarz Weiß Bregenz Spielbetriebs GmbH“, bei der man sich nach einem Blick auf den Kader verwundert die Augen reibt, denn hier haben tatsächlich nur sechs von insgesamt 30 Kickern einen österreichischen Pass.

Diese verlieren sich zwischen zehn Brasilianern, sieben Japanern und weiteren sieben Spielern aus sechs Nationen. Das ist natürlich alles regelkonform, aber ob diese Bodensee-Weltauswahl der Identifikation der Fans mit ihrem Verein dient, sei dahingestellt und der Zuschauerschnitt von 1.014 in der Vorsaison lässt daran zumindest leise Zweifel aufkommen. Damit wir uns richtig verstehen: Es geht nicht gegen ausländische Spieler, denn als 1973 der Ex-1860er Rudi Brunnenmeier in Bregenz begann, beim damaligen FC Vorarlberg sein Karriereende einzuläuten, war das ein Ereignis und ausländischen Spielern wie Jan Ove Pedersen, Axel Lawarée oder Lars Unger hat Bregenz viel zu verdanken. Dennoch stünde dem Club ein wenig mehr Augenmerk auf den heimischen Nachwuchs gut zu Gesicht. Meint zumindest ein unverbesserlicher Fußball-Romantiker.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

6° / 11°
Symbol wolkig
5° / 13°
Symbol wolkig
7° / 14°
Symbol wolkig
5° / 13°
Symbol heiter

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung