Ach, übrigens...

Raubkatzen-Kapitalismus

Vorarlberg
23.08.2026 09:00

Dass der Herren-Fußball dank vieler gieriger Persönlichkeiten schon längst in zahlreiche Skandale verwickelt ist, sieht man sich nun auch bei den Damen schon ähnlichen Auswüchsen ausgesetzt, bemerkt „Krone“-Autor Harald Petermichl in seiner neuesten Kolumne. Wo das wohl enden wird?

Das schon immer sehr erfolgreiche Frauenfußballteam aus Lyon hat sich 2025 von „Olympique Lyonnais Féminin“ in „OL Lyonnes“ umbenannt, ein Portemanteau-Wort aus „Lyonnaises“ (die in Lyon leben) und „lionnes“ (Löwinnen). Diese Sprachspielerei ist ein rechter Schmarrn, denn der Name der Stadt an Rhône und Saône hat mit königlichen Raubkatzen rein gar nichts zu tun, sondern stammt vom Namen „Lugdunum“ für das gallo-römische Verwaltungszentrum, in dem Asterix und Obelix auf ihrer Tour de Gaule einst Wurst gekauft haben. Aber nach dem Motto „Wer zahlt, schafft an“ oder „Who pays the piper calls the tune“ ist man mit der Namensänderung einem Wunsch der Club-Eigentümerin nachgekommen, der in Südkorea geborenen und in den USA lebenden Multimilliardärin Yongmee Michele Kang, die als erste Frauenfußball-Tycoonin überhaupt seit 2023 in Lyon das Sagen hat.

Frau Kang hat sehr viel Geld.
Frau Kang hat sehr viel Geld.(Bild: GEPA)

Ebenfalls ein rechter Schmarrn ist, was die nördlich des Ärmelkanals beheimateten Löwinnen, die „London City Lionesses“, gerade veranstalten. Hervorgegangen aus dem Frauen-Team des FC Millwall und alsbald kurz vor der Insolvenz stehend, wurde der Club 2023 ebenfalls von Frau Kang käuflich erworben und seither spielt Geld überhaupt keine Rolle mehr. Da wird zusammengekauft, was im Frauen-Weltfußball Rang und Namen hat, ob die Spielerinnen nun Alexia Putellas, Delphine Cascarino oder Danielle van de Donk heißen und so kann Trainer Eder Maestre quasi mit einer Art Weltauswahl operieren. Wieder mal eines dieser unerfreulichen in vitro-Produkte, bei dem durch schier unerschöpfliche Finanzspritzen die englische Regel, dass Vereine maximal 80 Prozent ihrer Einnahmen für Gehälter aufwenden dürfen, zur Lachnummer verkommt.

Durch das viele Spielgeld befindet sich das Gehaltsgefüge im Team mittlerweile in einer Dimension, die selbst auf der finanziell eh schon völlig überhitzten Fußballinsel vermehrt für Kopfschütteln sorgt. Für die dort beschäftigten Spielerinnen ist das natürlich eine tolle Sache, denn beispielsweise verdient Alexia Putellas 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Auf Dauer wird dies jedoch zu einer eklatanten Wettbewerbsverzerrung führen, weil Clubs, die nicht an einer Milliarden-Infusion hängen, keine Möglichkeit mehr haben werden, Top-Spielerinnen zu halten, geschweige denn neu zu verpflichten. Es ist also an der Zeit, sich von der romantischen Vorstellung zu trennen, der Frauenfußball könne sich noch für einige Zeit den im Männerfußball längst üblichen turbokapitalistischen Auswüchsen widersetzen. Wäre auch zu schön gewesen.

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