24 spannende Programmpunkte bietet Buch 9020, das Lese- und Literaturfestival, das zum zweiten Mal für drei Tage Bücherwürmer und Theaterfreunde nach Klagenfurt lockt und am vierten Tag mit einer Literaturwanderung im Lesachtal überrascht.
„Ich bin ja verrückt nach Buchmessen“, gibt Erika Hornbogner zu. Die gelernte Buchhändlerin leitet die Kärntner Verlage Wieser und Drava und erinnert sich an den zündenden Funken: „Auf der Buch Wien fragte mich jemand: Warum haben wir so eine Messe nicht in Klagenfurt? Dann wurde die Leipziger Buchmesse wegen Corona abgesagt, ich wollte als Ersatz was Kleines im Musilhaus veranstalten... schließlich konnten wir im Vorjahr eine erfolgreiche Premiere der Buch 9020 feiern!“ Mit wir meint sie die Arbeitsgemeinschaft der fünf Kärntner Verlage Drava, Wieser, Heyn, Ritter und Hermagoras/Mohorjeva, die hinter dem Literatur- und Lesefestival steht.






Treffpunkt für die Bücherwürmer und Theaterfreunde ist die Stadtgalerie Klagenfurt. „Heuer haben wir erst die zweite Buch 9020, aber ich musste schon Autoren absagen, weil wir bereits ein dichtes Programm haben“, freut sich Hornbogner über das Interesse am jungen Festival. „Es soll niederschwellig sein, Kinder, Kindergärten, Schulklassen, Jugendliche und Erwachsene ansprechen. Nicht nur für ein ohnehin kulturaffines Publikum, sondern gerade für jene, für die der Weg zu Büchern und Kulturveranstaltungen nicht selbstverständlich ist, soll dieses Festival sein. Und alles bei freiem Eintritt.“
Das Festival will mehr sein als eine Abfolge von Lesungen: ein offener Raum für Begegnung – besonders auch für Kinder und Jugendliche.

Erika Hornbogner, Verlegerin, Initiatorin und Hauptorganisatorin der Buch9020
Bild: Handler Wolfgang
„Lesen heißt, sich einzumischen“ steht heuer als Motto über dem Festival, denn Literatur und Gesellschaft, die Debatte ums Zusammenleben, die Sprache und die Mehrsprachigkeit gehören zusammen.
Literatur hat mit dem Leben zu tun – immer
„Ein Literaturfestival beginnt nicht erst, wenn jemand auf einer Bühne ein Buch aufschlägt. Es beginnt dort, wo ein Kind entdeckt, dass eine Geschichte mit dem eigenen Leben zu tun haben kann. Dort, wo mehrere Sprachen nicht als Hindernis, sondern als Erfahrungsschatz gelten. Und dort, wo Bücher Anlass geben, über Demokratie, Erinnerung, Flucht, Klima oder die Frage nach einem guten Leben miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau diesen Anspruch formuliert Buch 9020 für seine zweite Ausgabe“, betont Hornbogner.
Buch 9020: von Donnerstag, 17. September, bis Samstag, 19. September, in der Stadtgalerie Klagenfurt, Theatergasse 4.
Eintritt frei!
Programm für Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit Lesungen, Theater und Workshops sowie eine literarische Wanderung am 20. September im Lesachtal.
Die fünf Kärntner Verlage haben Autoren und Theatermacher eingeladen, die etwas zu erzählen haben.
Alle Programmdetails: https://buch9020.at
Hornbogner sieht bei manchen die Leselust und Lesekompetenz schwinden; Hörbücher – schon für Kinder – sowie kurze schriftliche Botschaften in Apps auf dem Handy tragen dazu bei. „Lesekompetenz ist weit mehr als die Fähigkeit, Wörter richtig aneinanderzureihen. Sie entscheidet mit darüber, ob Menschen Behördenbriefe verstehen, politische Behauptungen prüfen, ihre Interessen formulieren und an öffentlichen Debatten teilnehmen können“, so die Verlegerin. „Literatur verlangt Aufmerksamkeit, lässt Widersprüche stehen und zwingt nicht zu schnellen Antworten. Sie schafft eine Voraussetzung für demokratische Verständigung: die Bereitschaft, andere Perspektiven auszuhalten und die eigene Position zu hinterfragen.“
Es braucht gut ausgestattete Bibliotheken, Zeit & Ressourcen an Schulen, faire Honorare für Autorinnen, Verlage, die abseits des Massengeschmacks arbeiten.
Erika Hornbogner
Das Programm der Hauptbühne in der Stadtgalerie Klagenfurt verbindet literarische Neuerscheinungen mit gesellschaftlicher Debatte. Gerald Eschenauer stellt seinen Lyrikband „Erdung“ vor. Shejla Baltić präsentiert mit „Von blauen Vögeln“ ihren Debütroman. Manuela Tomić, in Sarajevo geboren und in Völkermarkt aufgewachsen, liest aus „Franček“, einem Roman, der sich in surrealistischem Gewand mit Flucht auseinandersetzt. Ein Zwiegespräch von Horst Peter Groß und Werner Drobesch widmet sich Radikalisierung und Demokratieverlust. Der literarische Quizsalon von Barbara Kadletz und Ursula Knoll verbindet historische Stoffe, Widerstand und Gegenwart. Das Spektrum reicht damit von Lyrik und Roman über Kritik bis zum politischen Gespräch. Begegnen können Besucher auf dem Festival Michael Lehofer („Zu viel von allem“, Do, 17.9., 15 Uhr), Klaus Kastberger („Deutsch-österreichische Freundschaft“, Fr, 18 Uhr), Omar Khir Alanam „Frieden ist unsere Superkraft“ (Fr, 19 Uhr), Regina Schaunig („Thomas von Villach“, Sa, 19.9.,14 Uhr) und vielen anderen.
Da Kärnten inmitten in verschiedener Sprachräume liegt, soll dies auch hörbar werden: Besonders deutlich zeigt sich das bei „Slovalia – Eine Verkuppelung“ von Tamara Štajner und Anna Anderluh: Ein mehrsprachiges Langgedicht in Slowenisch, Friulanisch, Italienisch und Deutsch trifft auf Stimme und Autoharp. Literatur wird hier nicht bloß vorgelesen, sondern als Klang, Beziehung und Reibung zwischen Sprachen erfahrbar.
Auf der Kinderbühne ist an den drei Tagen jede Stunde etwas Spannendes los! Mehrsprachigkeit und gesellschaftliche Vielfalt verknüpft auch das zweisprachige Kinderbuch „ROSA-Rote Ferien“ von Ana Grilc, Richard Grilc und Petra Schnabl-Kuglitsch.
Internationale Perspektiven kommen unter anderem mit drei Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur hinzu: Stanislav Struhar, Marek Toman und Martin Vopěnka sprechen über Heimat und Fremde, gesellschaftliche Umbrüche und eine Welt im Wandel. „Auf der heurigen Frankfurter Buchmesse ist Tschechien das Gastland, daher greifen wir die tschechische Literatur auf“, erklärt Hornbogner.
Nicht stillsitzen, sondern mitmachen!
Ein Schwerpunkt liegt auf Literatur für Kinder und Jugendliche. „Sie sollen nicht stillstitzen und Kultur konsumieren, sondern Fragen stellen, mitspielen, schreiben, zeichnen und eigene Empfehlungen formulieren.“ Auf der eigens eingerichteten Kinderbühne wird an den Festivaltagen im Stundentakt ein buntes und vor allem wertvolles Programm geboten – Donnerstag ab 10, Freitag ab 9, Samstag ab 10 Uhr.
Das Ensemble des Čučka Theaters verbindet in seinem Piratenstück Abenteuer, Humor und klassische Literatur. Corinna Guggenberger-Holl lädt mit der Büchermaus Mio schon Kinder ab drei Jahren zum Hören, Staunen und Mitmachen ein. Bei Anna Gentilinis Bilderbuchkino wird die Kärntner Lindwurmsage neu erzählt; Lukas Holzer verbindet die interaktive Lesung aus „Schnüffelnase Snow“ mit einem Fußball-Zielschießen. Kinderyoga ergänzt das Programm um Bewegung, Fantasie und bewusste Ruhe.
Medienkompetenz vermitteln
Weil das Smartphone, BookTok, Bookstagram und Podcasts mittlerweile zum Leben (nicht nur) der Jugendlichen gehören, will Buch 9020 auch Urheberrecht, Quellenkritik und verantwortungsvolle Kommunikation thematisieren. Medienkompetenz bedeute, so die Arbeitsgemeinschaft Kärntner Buchverlage, weder Technikbegeisterung noch Kulturpessimismus, sondern zu verstehen, wer auswählt, wer profitiert und welche Stimmen im digitalen Strom übersehen werden.
Literarische Wanderung
Den Abschluss des Festivals Buch 9020 bildet am Sonntag, 20. September, eine literarische Wanderung im Lesachtal. Gemeinsam mit Engelbert Obernosterer und Christine Zucchelli führt der Weg von St. Lorenzen über Wiesen und das Frohnkirchl nach Oberfrohn. 10.30 Uhr: Autorengespräch beim Literatura Mobil in St. Lorenzen. Gegen 11 Uhr beginnt die Wanderung. Ankunft in Oberfrohn geen 13 Uhr.
Literatur verlässt dabei die Bühne und verbindet sich mit Landschaft, Erinnerung und Biografie. „Vielleicht ist das ein passendes Bild für das ganze Vorhaben: Bücher bleiben nicht zwischen zwei Deckeln. Sie wandern durch Orte und Generationen, wechseln die Sprache, stoßen Gespräche an – und verändern, wenn es gut geht, den Blick auf die Welt vor der eigenen Haustür“, so Erika Hornbogner, die gemeinsam mit den Kärntner Verlegern die Leselust schüren will und jedermann zu Buch 9020 einlädt.
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