Kanzler warnt vor AfD

Wahlkampf im Osten: Merz ausgepfiffen, beschimpft

Außenpolitik
01.09.2026 20:04

Bei einem Wahlkampfbesuch im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag ausgepfiffen und beschimpft worden. In Mecklenburg-Vorpommern wird in knapp drei Wochen der Landtag neu gewählt.

Auf der Strandpromenade im Ostseebad Kühlungsborn bezeichneten einige Menschen den CDU-Chef als „Kriegstreiber“, „Pinocchio“ oder skandierten „Rücktritt“ (siehe Tweet unten).

Nicht alle auf Anti-Merz-Kurs
Dabei erhielten sie aber auch Widerspruch aus dem Publikum – von Menschen, die etwa an den Anstand der lautstarken Merz-Gegner appellierten. Der Kanzler unterhielt sich an einem Wahlkampfstand über Absperrgitter hinweg mit Menschen aus dem Publikum.

Am Dienstag fuhr Merz weiter zu seinem ersten Wahlkampftermin im Bundesland Sachsen-Anhalt, wo bereits am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt wird. 

Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) in Quedlinburg warnte Merz vor den Folgen einer möglichen AfD-Regierung. Das Land dürfe kein „Experimentierfeld für Wutbürger werden“, sagte Merz.

Zitat Icon

Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden.

Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnt vor einem AfD-Sieg.

Sorge vor internationalen Investoren
Internationale Investoren würden sich unter einer solchen Regierung mögliche Engagements genau überlegen. Zugleich zeigte sich der Kanzler zuversichtlich, dass die CDU bis zur Landtagswahl am Sonntag noch aufholen kann. Schulze verwies auf ein großes Interesse an der Wahl und erklärte, potenzielle Investoren warteten den Wahlausgang ab, bevor sie über geplante Millioneninvestitionen entscheiden.

Merz zieht auch Grenzen für Kooperation mit der Linken
Aus Sicht von Merz darf es nach der Landtagswahl kein gemeinsames Regierungsprogramm mit der AfD oder den Linken geben. „Sowohl bei AfD als auch bei der Linkspartei gibt es derart fundamentale Unterschiede zur Union, dass eine Zusammenarbeit ausgeschlossen ist“, sagt er der „Mitteldeutschen Zeitung“ und der „Magdeburger Volksstimme“ in einem Interview. Aber: „Der Kern einer Zusammenarbeit ist eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms“, konkretisiert er. „Das sehe ich weder mit der AfD noch mit der Linkspartei“.

Auf die Frage, ob eine CDU-geführte Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten setzen sollte, sagt Merz: „Wir sehen, wie in Thüringen und Sachsen regiert werden kann. Aber es muss auch klar sein, dass es Grenzen gibt.“

Auftritt in Sachsen-Anhalt: Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit Ministerpräsident Sven Schulze ...
Auftritt in Sachsen-Anhalt: Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)(Bild: EPA/FILIP SINGER)

AfD-Chef Chrupalla: Merz macht Wahlkampf für uns‘
AfD-Chef Tino Chrupalla reagierte inzwischen auf die Aussagen des Kanzlers. Im Sommerinterview der Sat.1-Sendung „newstime“ kritisierte er den CDU-Chef für dessen Aussage, Sachsen-Anhalt dürfe kein Experimentierfeld für Wutbürger werden. „Ich denke, damit macht er eher Wahlkampf für uns. Das freut mich auf die Art, wenn er weiter die Ostdeutschen beschimpft“, sagte Chrupalla und warf Merz vor, „knapp 40 Prozent oder vielleicht über 40 Prozent der Wahlberechtigten“ auszugrenzen und sein Amt verfehlt zu haben.

Viel Interesse an Briefwahl in Sachsen-Anhalt
Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag gibt es übrigens viel Interesse an der Briefwahl. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335.000 der rund 1,69 Millionen Wahlberechtigten Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das sind mehr als die knapp 315.567 Menschen, die bei der Landtagswahl vor fünf Jahren per Brief abgestimmt haben, wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte. Die Frist für die Briefwahl endet am Freitag.

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