Perfider Bank-Trick

127.000 Euro futsch! Ärztin fiel auf Betrüger rein

Vorarlberg
01.09.2026 19:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Ein falscher Bankmitarbeiter, eine ahnungslose Ärztin, 127.000 Euro Schaden: Vor dem Landesgericht Feldkirch mussten sich am Dienstag zwei junge Männer wegen ihrer Rolle in einem perfiden Betrugssystem verantworten.

Sie glaubte, ihr Geld zu retten – dabei öffnete sie Betrügern Tür und Tor. Eine pensionierte Oberärztin verlor 127.000 Euro, weil ein angeblicher Bankmitarbeiter sie am Telefon vor „verdächtigen Überweisungen“ warnte. Sie installierte eine Fernwartungssoftware, gab Aufträge frei – und dachte, sie storniere Zahlungen. In Wahrheit aber autorisierte sie den Betrug.

Vor dem Landesgericht Feldkirch mussten sich nun ein 22-jähriger Österreicher und sein 34-jähriger Bekannter, ein vorbestrafter Tschetschene, verantworten. Ein dritter Beteiligter, ein heute 20-jähriger HTL-Schüler aus Vorarlberg, war bereits im Jänner rechtskräftig verurteilt worden. Über sein Konto liefen rund 65.000 Euro der Beute. Dem 34-Jährigen warf die Staatsanwaltschaft vor, den Schüler einst für den Betrug angeworben zu haben. Der Tschetschene bekannte sich dazu nicht schuldig und sagte, dass er selbst Opfer eines cleveren Systems geworden sei.

„Das mag dumm klingen“
Alles habe mit YouTube-Videos über Kryptowährungen begonnen, dann gab es eine Telegram-Gruppe. Wer neue Leute anwerbe, steige auf, habe es geheißen. Später habe er sich mit einem Niederländer getroffen, der Handys und Pässe benötigt habe. „Das mag dumm klingen“, gab er vor Gericht zu, doch verdächtig sei ihm das damals nicht vorgekommen. Der Schöffensenat unter Richterin Kathrin Feurle glaubte ihm zwar nicht, dass er nichts geahnt habe, für eine Verurteilung reichte es aber nicht. Der Nachweis fehlte, dass der 34-Jährige den Schüler tatsächlich angeworben hatte.

Anders erging es dem 22-Jährigen. Er hatte Handy, Bankomatkarte und sämtliche Zugangsdaten seinem Cousin überlassen – angeblich im Glauben an ein legales Krypto-Geschäft. Als er später sah, dass Geld auf seinem Konto einging und weiterwanderte, unternahm er nichts. Genau das wurde ihm zum Verhängnis. Auch wenn sein Verteidiger argumentierte, man könne seinem Mandanten wie auch dem Mitangeklagten „vielleicht vorwerfen, dass sie schnell zu Geld kommen wollten oder naiv waren“ – strafbar sei das aber nicht.

Sechs Monate bedingt, 8000 Euro Geldstrafe, 77.000 Euro Schadenersatz
Die Richterin sah das anders: Wer sein Handy tagelang aus der Hand gebe, ohne nachzufragen, handle „lebensfremd“. Spätestens beim Blick aufs eigene Konto hätte der Mann reagieren müssen. Stattdessen ließ er die Sache laufen, obwohl ihm klar gewesen sei, dass dies nicht mit rechten Dingen zugehe. Der 22-Jährige wurde wegen schweren Betrugs in zwei Punkten schuldig gesprochen: sechs Monate bedingte Haft, 8000 Euro Geldstrafe und 77.000 Euro Schadenersatz an die Oberärztin. Der Erstangeklagte erbat Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

14° / 22°
Symbol heiter
13° / 25°
Symbol wolkig
16° / 25°
Symbol heiter
13° / 25°
Symbol wolkig
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung