Als die Foto-Bilder schwimmen lernten: Das Wiener Photoinstitut Bonartes sticht mit der ehemaligen Seemacht Österreich und deren Fotografen in See.
Wie Österreichs Erzherzöge auf (Schiffs-) Reisen gingen, kann man derzeit im Wiener Photoinstitut Bonartes erleben. Da sitzt der 23-jährige Erzherzog Ferdinand Maximilian, der später als Kaiser von Mexiko füsiliert wurde, schüchtern neben Admiral Tegetthoff. 1855, bei seiner ersten Ausfahrt mit der ihm soeben unterstellten Flotte.



Denn: „Österreich lag damals am Meer“, so Institutsleiterin Monika Faber. Sie hat mit Martin Keckeis die Schau „Kamera an Bord. Zwischen Arktis und Südsee 1855-1917“ kuratiert, die in historischen Fotografien Österreichs Abenteurern, Admirälen, Matrosen, Forschern und Flitterwöchnern über die Weltmeere folgt.
Der Thronfolger geht mit Christbaum auf Weltreise
Dass man Maximilian an Bord sieht, ist dem ebenso jungen Franz May zu danken, der damit erstmals Österreichs Seeschifffahrt fotografisch dokumentiert hat.
Unterliefen May noch Fehler wie schlechte Belichtungen, ging man an Bord der „Isbjörn“ 1872 professioneller zur Sache. Bei der Vorbereitungsreise für die dramatische Payer-Weyprecht-Polarexpedition nahmen Wilhelm Burger und Graf Hans Wilczek sowohl die Eislandschaften als auch die beengten Zustände an Bord mit Stereoapparaten auf. So entstanden beliebte Doppel-Fotografien, die, im Stereoskop betrachtet, dreidimensionales immersives Nacherleben ermöglichten. Das war gegen Münzeinwurf sogar eine Attraktion auf Jahrmärkten und ist bei Bonartes in einem historischen Apparat nachzuerleben.
Darin lehnt etwa Admiral Tegetthoff auf einem Kanonenlauf an Bord der Fregatte „Schwarzenberg“. Die wurde 1864 in Cuxhaven repariert, nachdem Österreich mit Preußen gegen Dänemarks Vorherrschaft in der Ostsee gekämpft hatte.
Der zweite Erzherzog, Thronfolger Franz Ferdinand, reiste 1892/93 sogar samt Weihnachtsbaum auf dem Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“, dem stolzesten Schiff der k. u. k. Marine, um die Welt – und bedauerte, dass er die vorbeischwimmenden Wale nicht abschießen konnte.
Eine starke Brise Glamour weht einem vom Deck der „Tolna“ entgegen: Graf Rudolf Festetics de Tolna und seine junge Frau Eila Butterworth Haggin segelten mit ihr 1893 auf Hochzeitsreise durch die Südsee, auch um auf „Kannibalen“ zu treffen. Beide waren blendende Fotografen. Sie hielt ihn in Wildwest-Manier an Bord fest, beide die vielen exotischen Gäste in entsprechender Inszenierung. Nach sieben Jahren reichte Eila die Scheidung ein und ging von Bord. Er, zurück in Wien, schrieb Reiseberichte, in denen Dichtung und Wahrheit wild durcheinandergerieten.
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