Eigentlich war alles schon durch: Noch im Juni sah es ganz danach aus, als würde das beliebte Vorarlberger Familienskigebiet in eine Ganzjahresdestination umgewandelt und somit vor dem endgültigen Untergang bewahrt. Nun die Hiobsbotschaft: Bei der Vollversammlung der Agrargemeinschaft Alpe Gemeine Brongen und Tristen wurde die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit knapp verpasst, somit ist die Rettung wieder in der Schwebe.
Als reines Winterressort hatte die Schetteregg keine Zukunft mehr – die zunehmend schlechter werdende Schneelage und die veralteten Lifte hätten Millioneninvestitionen erfordert, zudem schränkten Altlasten in Höhe rund 1,3 Millionen Euro den Handlungsspielraum massiv ein. Aufgrund der unsicheren Perspektive und des stark steigenden Kostendrucks sah sich der Betreiber, die Egger Liftgesellschaft, im Mai 2025 schließlich dazu gezwungen, Insolvenz anzumelden. Ein Schock für die ganze Region, haben doch Legionen von Kindern in der Schetteregg das Skifahren erlernt. Eine Petition für den Erhalt des Skigebietes wurde ins Leben gerufen, binnen weniger Wochen kamen fast 13.000 Unterstützungserklärungen zusammen.
Der Investor Jürgen Sutterlüty
Erste Hoffnung keimte auf, als der Unternehmer Jürgen Sutterlüty seine Bereitschaft äußerte, das Skigebiet zu übernehmen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dieses in eine Ganzjahresdestination inklusive Bikepark umgewandelt wird. Mit Extremsportler Elias Schwärzler hatte er zudem für den Bikepark einen überaus prominenten Mitstreiter gefunden. Doch die Pläne bedurften der Zustimmung der großen Alpen in dem Gebiet.
Im März stimmte die Vollversammlung der Agrargemeinschaft Alpe Gemeine Brongen und Tristen dem Sommer-Konzept mit überwältigender Mehrheit zu, im Juni schien das Projekt bereits in trockenen Tüchern: „Am 14. Juli 2026 wurden sämtliche noch offenen Vertragsinhalte gemeinsam mit dem gesamten Vorstand und dem Bewirtschafter abschließend vereinbart und per Handschlag bestätigt. Auf dieser Grundlage wurden die Vertragsfassungen finalisiert. Gleichzeitig wurden Planungen, Behördenverfahren und technische Vorbereitungen mit erheblichem Aufwand vorangetrieben“, betont Jürgen Sutterlüty in einer aktuellen schriftlichen Stellungnahme.
Kein Winterbetrieb nach Flop bei Abstimmung
Doch dann folgte am 10. August der große Schock: Denn wider Erwarten ist bei einer außerordentlichen Vollversammlung der Agrargemeinschaft, bei der über die finalen Verträge abgestimmt wurde, die nötige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht worden. Bei der Abstimmung stimmten demnach nur 58 beziehungsweise 60 Prozent der Weiderechte für die beiden Verträge. Was bedeutet das nun für das Projekt? Fix ist, dass es aufgrund der fehlenden Planungssicherheit auch in der heurigen Saison keinen Winterbetrieb geben wird. „Weitere damit verbundene Investitions- und Vorbereitungsmaßnahmen werden nicht ausgelöst. Zum aktuellen Zeitpunkt besteht für das bisher entwickelte Gesamtmodell keine tragfähige Lösung“, heißt es in der Mitteilung Sutterlütys weiters.
Noch besteht Hoffnung auf eine Einigung. So betont Sutterlüty ausdrücklich die „vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Alpe Gemeine Brongen und Tristen“. Das nunmehrige Ergebnis dürfe daher weder als geschlossenes Nein der Alpe noch als Ablehnung dieser gemeinsamen Arbeit verstanden werden.
Enttäuschte Erwartungen
Zugleich stellt Sutterlüty allerdings den Quertreibern die Rute ins Fenster: Zwar respektiere man das Entscheidungsrecht jedes Anteilsberechtigten, allerdings müssten sich diese auch sämtlicher Konsequenzen bewusst sein. Die langfristigen Einnahmen für Landwirtschaft und Grundeigentümer stünden nun ebenso auf dem Spiel wie die wirtschaftliche Perspektive zahlreicher weiterer Partner. Viele hätten sich auf die Fortführung verlassen, Vorbereitungen getroffen und teilweise bereits investiert. Sutterlüty unterstreicht dennoch, dass er nach wie vor an das Potenzial Schettereggs glaube. „Die aktuelle Situation und die daraus entstehenden Konsequenzen für die weitere Entwicklung von Schetteregg werden nun mit Ruhe, Klarheit und unternehmerischer Verantwortung bewertet.“
Berechtigte Ängste der Älpler
Dem Vernehmen nach sind vor allem jene Landwirte skeptisch, die nur ein Weiderecht besitzen und von den Verträgen maximal indirekt finanziell profitieren würden. Sie fürchten durch den Bikepark den Verlust von Flächen, zudem sehen sie die Wasserversorgung gefährdet – Sorgen, die durchaus nachvollziehbar sind. Ihnen wäre folglich ein kleiner dimensioniertes Projekt, das nur wie bisher einen Winterbetrieb vorsieht, lieber. Laut ORF hätte sich inzwischen auch ein zweiter Investor, der genau diese Wünsche berücksichtigen würde, vorstellig gemacht. Der „Krimi“ um die Zukunft Schettereggs geht also weiter.
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