Es ist ein beispielloser Niedergang: Der Unterwäschehersteller Wolford war einst der ganze Stolz der Vorarlberger Textilindustrie, doch davon ist nur noch wenig übrig. Auch im ersten Halbjahr 2026 schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen. Allerdings gibt es auch einen Lichtstreif am Horizont.
Man mag es kaum glauben: Das letzte Mal durfte sich das einstige Vorarlberger Paradeunternehmen im Geschäftsjahr 2015/16 über ein positives Ergebnis freuen. Seitdem schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen. Zwar konnte auch das Geschäftsjahr 2020 mit einem Gewinn abgeschlossen werden, dies war allerdings einem einmaligen Effekt zu verdanken, nämlich dem Verkauf des Stammsitzes in Bregenz um 72 Millionen Euro an den Beschlägehersteller Blum.
Dass das Unternehmen überhaupt noch existiert, liegt vor allem daran, dass der Mehrheitseigentümer, die chinesische Fosun-Gruppe, in der Vergangenheit immer wieder Kapital nachgeschossen hat. Fosun hält derzeit 58 Prozent der Anteile.
Immerhin konnte der Verlust halbiert werden
Trotz eines radikalen Sparprogramms musste Wolford auch im ersten Halbjahr 2026 massive Verluste hinnehmen: 10,2 Millionen Euro betrug das Minus, das ist zwar deutlich weniger als im ersten Halbjahr 2025 (-22,8 Millionen Euro), allerdings zeigt die Relation zum Umsatz auf, wie desaströs die Lage nach wie vor ist: Gerade einmal 31 Millionen Euro hat Wolford in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres umgesetzt, im Vergleichszeitraum 2025 waren es 33 Millionen Euro. Noch in den Nullerjahren dieses Jahrtausends setzte das Unternehmen teils deutlich über 150 Millionen Euro per anno um.
Ziel lautet „nachhaltige Profitabilität“
Dennoch ist man bei Wolford darum bemüht, die positiven Akzente herauszustreichen. Man habe zuletzt einige „Schritte in die richtige Richtung“ gemacht, die Restrukturierungsmaßnahmen würden kontinuierliche Fortschritte zeigen, heißt es seitens der Geschäftsführung. Das Management werde weiterhin eng die Liquidität, die operative Entwicklung und den Finanzierungsbedarf überwachen, so das Unternehmen weiter.
Und dann folgt der kryptische Satz: „Die Beurteilung hinsichtlich des Weiterbestands von Wolford sind die Abhängigkeit des Konzerns von der Aktionärsunterstützung sowie von anderen Finanzierungsquellen berücksichtigt worden.“ Was übersetzt so viel heißt wie: Noch zeigt der Daumen von Fosun nicht nach unten, folglich drehen auch die Banken den Geldhahn nicht zu. Das Ziel laute jedenfalls nach wie vor, das Restrukturierungsprogramm so lange fortzuführen, bis „eine nachhaltige Profitabilität erreicht ist“.
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