Winzer als Vorreiter

„Wir haben die Weinlese teils schon abgeschlossen“

Burgenland
19.08.2026 20:00

Während die meisten burgenländischen Winzer die Traubenernte gerade erst starten – heuer wesentlich früher als sonst – hat Matthias Klikovits vom Weingut „Mate“ aus Zagersdorf seine Beeren schon gepflückt. Nach dem heißen Rekordsommer erreichten einige seiner Sorten außergewöhnlich zeitig ihre optimale Reife. Wann der Jahrgang 2026 verkostet werden kann, was der Klimawandel bedeutet und was es mit seinen „Unterwasserweinen“ auf sich hat – die „Krone“ hat nachgefragt.

Zagersdorf im Bezirk Eisenstadt-Umgebung ist nachweislich die älteste Weinbaugemeinde des Burgenlandes. Die ersten archäologisch bekannten Traubenkerne, die hier 1985 bei der Freilegung eines Hügelgrabs in einem Tongefäß gefunden wurden, stammen aus der Zeit um 700 vor Christi und werden der Kulturrebe „Vitis vinifera“ zugeordnet. Ein Kern ähnelt sogar dem heutigen Chardonnay, was bedeutet, dass die bekannte Sorte in Zagersdorf schon früher angebaut wurde als in Frankreich.

Das renommierte Weingut „Mate“ von Matthias Klikovits (73) – seine Weine wurden schon international prämiert und weltweit verkauft – gilt seit Jahrzehnten als wichtigster Botschafter des Weinortes. So etwa erreichte Klikovits bei einem weltweiten Contest kroatisch-stämmiger Winzer Platz 1 in der Kategorie „Rotweine“. Damit übertrumpfte er sogar den legendären Weinmacher Miljenko Grgich vom Weingut „Grgich Hills Estate“ aus dem kalifornischen Nappa Valley, der das Weiße Haus in Washington mit Wein belieferte.

Das Weingut hat schon zahlreiche Medaillen, Urkunden und Preise eingeheimst.
Das Weingut hat schon zahlreiche Medaillen, Urkunden und Preise eingeheimst.(Bild: Reinhard Judt)

In der 18. Generation tätig
Klikovits selbst betreibt Weinbau bereits in der 18. Generation: „Meine Vorfahren stammen aus dem kleinen Dorf Klikovići, 30 Kilometer von der kroatischen Stadt Dubrovnik entfernt. Diese Region, in der Karl Mays Winnetou-Filme gedreht wurden, war einst ein sehr bekanntes Weinbaugebiet. Auch die westungarischen Fürsten Erdödy, Nádasdy und Batthány hatten im heutigen Kroatien Besitzungen. Als ihr Heimatland, das jetzige Burgenland, nach den Osmanenkriegen völlig zerstört war, warben sie die Menschen dort für den Wiederaufbau an. So siedelten sich vor 500 Jahren meine Ahnen hier an und brachten ihr Wissen über Weinbau mit.“

Der Winzer arbeitet mit seiner Frau Maria und Schwiegersohn Igor zusammen.
Der Winzer arbeitet mit seiner Frau Maria und Schwiegersohn Igor zusammen.(Bild: Reinhard Judt)

Alkoholstarke Weine 
Vor einigen Jahren besaß die Familie noch zehn Hektar Weingärten. Heuer wurde die Fläche auf ein Drittel reduziert, weil Klikovits nur so viel bewirtschaften möchte, wie er, seine Frau Maria (69) und Schwiegersohn Igor (50) selbst schaffen können. Dennoch ist die Auswahl an Weinen groß: neben Grünem Veltliner, Sauvignot Blanc, Malvasier, Muskat Ottonel und Rosé-Sorten, bietet man auch Blaufränkisch, Zweigelt, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon und verschiedene Cuvées an:

„Die Früchte sind aufgrund des niederschlagsarmen Sommers heuer kleiner. Nachdem sie aber längst Zuckergrade von 17 bis 23 Prozent erreicht haben, hat bei uns die Weinlese schon vor zwei Wochen begonnen. Das war wichtig, sonst erhält man sehr starke Weine mit 15 Volumprozent Alkohol. Die Ernte der Veltliner- und Zweigelt-Trauben für unseren alkoholfreien Frizzante namens ‘Verjus‘ ist sogar schon abgeschlossen. So zeitig wie heuer waren wir noch nie dran!“

Auch alkoholfreien Frizzante gibt es im Sortiment. Der „Verjus“, der Name bedeutet aus dem ...
Auch alkoholfreien Frizzante gibt es im Sortiment. Der „Verjus“, der Name bedeutet aus dem Französischen übersetzt „grüner Saft“, wird aus Veltliner- und Zweigelt-Trauben gewonnen.(Bild: Reinhard Judt)

Klimawandel im Glas
Ist die frühe Lese eine Ausnahme oder der Beginn einer neuen Normalität? „Das kann niemand mit Gewissheit sagen. Ich weiß nur, dass heuer eindeutig die Natur über die Menschen gewonnen. Damit diese Symbiose künftig besser funktioniert, sollten wir mit der Natur gemeinsam spielen, damit jeder zufrieden ist.“ Ob es seiner Meinung nach Sinn macht, im Hinblick auf den Klimawandel trockenresistente Sorten zu forcieren? „Man muss da erst die Winterfrosthärte überprüfen.“ Um die Trauben in heißen Sommern im Wachstum zu unterstützen, setzt er auf gezielte Bewässerung in den zehn Zentimeter breiten Rillen zwischen den Weinstöcken: „Durch diese Spalten dringt das Wasser bis zu den Wurzeln.“

Aus den Trauben wird auch Most erzeugt.
Aus den Trauben wird auch Most erzeugt.(Bild: Reinhard Judt)

Erfrischende Unterwasserweine
Außerdem handelt er innovativ, denn ein Vordenker war Klikovits schon immer. Schon 1989 hat er aus Blaufränkisch-Trauben Weißwein gemacht – ohne Chemie! „Ich bin eben ein kleiner Spinner und liebe Experimente“, schmunzelt er. Seit mehr als zehn Jahren stellt er, als erster Winzer Österreichs, aus den Rebsorten Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Grüner Veltliner auch „Unterwasserweine“ her. Dafür werden etliche Bouteillen vor der kroatischen Küstenstadt Opatija in verschweißte Boxen gepackt und auf den Meeresgrund der Adria versenkt.

„Dort werden sie ein Jahr lang in 20 Metern Tiefe gelagert und vom neun Grad kalten Süßquellenwasser gekühlt. So reift ein Wein heran, der nicht älter wird. Mittlerweile locken die edlen Tropfen unzählige Touristen aus aller Welt zu besonderen Weinverkostungen an“, sagt er und zeigt auf eine Magnumflasche mit Ablagerungen von Muscheln, Algen und Meerestieren. Der Bewuchs entsteht ganz natürlich durch die marine Umgebung und macht jede Flasche zu einem unverwechselbaren Unikat.

Unterwasserweine mit Ablagerungen von Muscheln, Algen und Meerestieren.
Unterwasserweine mit Ablagerungen von Muscheln, Algen und Meerestieren.(Bild: Reinhard Judt)

Weinkost mit Jahrhundertwein
Demnächst bringt Klikovits einen Aperol-„Verjus“ auf den Markt. Außerdem lädt er im Herbst zu einer exquisiten Degustation: „Mitte Oktober wird man den Jahrgang 2026 bereits verkosten können. Auch sehr alte und erlesene Tropfen wie etwa den Blaufränkisch-Jahrgang 1968 werden wir anbieten. Außerdem wollen wir unsere Barriquefässer des Jahrhundertweins 2003 öffnen, deren Trauben, so wie jene heuer, auch während einer Trockenperiode mit sehr viel Sonne herangereift sind.“

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