Hohe Wellen schlägt die Forderung von 100 Wissenschaftern, die sich in einem offenen Brief klar gegen den dreispurigen Ausbau der A9 zwischen Graz und Wildon ausgesprochen haben: FPÖ, SPÖ, Wirtschaftskammer und Gewerkschaftsbund unterstreichen nun, dass am Ausbau kein Weg vorbeiführe.
Ein Umdenken bei der Verkehrsplanung rund um Graz haben „Scientists for Future“ in einem offenen Brief gefordert – wir haben berichtet. Zentrale Forderung: den Ausbau der A9 stoppen. Koordinator Johannes Fiedler erklärt die Beweggründe: „Es ist heute eine bei allen Verkehrswissenschaftern etablierte Meinung, dass der Autoverkehr in einer Stadt maximal 25 Prozent der täglichen Fahrten ausmachen darf. In Wien ist man fast schon so weit, in Graz noch weit davon entfernt.“ Ein Ausbau der Autobahn ziehe naturgemäß noch mehr motorisierten Verkehr an: „Das kann niemand mehr wollen.“
Einladung an „sogenannte Experten“
Mit Unverständnis reagiert etwa die FPÖ auf diese Forderung. So sagt Landesrat Stefan Hermann, der auch FPÖ-Bezirksparteiobmann in Graz-Umgebung ist: „Ich lade diese sogenannten Experten ein, eine Woche lang mit einem Pendler aus dem Süden von Graz, der auf sein Auto angewiesen ist, die Plätze zu tauschen. Oder mit Eltern, die in der Früh ihr dreijähriges Kind in die Kinderkrippe bringen und danach noch rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz kommen müssen. Für uns als steirische Landesregierung ist klar: Es führt kein Weg an der dritten Spur vorbei.“
Ähnlich klingt das auch vonseiten des steirischen SPÖ-Chefs Max Lercher: „Wir stehen klar zur dritten Spur auf der A9. Dieses Projekt ist wichtig für Tausende Menschen, die in den Gemeinden entlang der Strecke wohnen und täglich unter dem Ausweichverkehr leiden. Es ist aber auch wichtig für die regionale Wirtschaft, für Pendlerinnen und Pendler und für einen funktionierenden Wirtschaftsstandort“, sagt er.
„Nicht immer wieder von vorne diskutieren“
In dieselbe Kerbe schlagen nun auch Wirtschaftskammer und Gewerkschaftsbund in einer gemeinsamen Aussendung: „Wer täglich zwischen Wildon und Graz im Stau steckt, hat null Verständnis für weitere Verzögerungen dieses bereits in Auftrag gegebenen Bauprojekts“, sagt ÖGB-Regionalvorsitzender-Stellvertreter Wolfgang Cerne. „Argumente, die bereits vor Jahren geprüft und bewertet wurden, müssen nicht immer wieder von vorne diskutiert werden.“ WKO-Bezirksstellenobmann Michael Hohl betont, dass die dritte Spur längst zu einer zentralen Standortfrage für die gesamte Region geworden sei.
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