Abnehmspritzen-Trend

Nestlé wittert Geschäft wegen Nebenwirkungen

Wirtschaft
17.08.2026 12:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Abnehmspritzen zügeln nicht nur den Appetit, sondern haben oft auch unerwünschte Nebenwirkungen wie den Verlust von Muskelmasse oder eine schlaffere Gesichtshaut. Genau hier setzt der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé nun an.

Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt der Konzern neue Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern der Abnehmspritzen zugeschnitten sind. „Es ist eine riesige Chance für unser Unternehmen“, sagte Technologie-Chef Stefan Palzer. Im Detail werden klinische Studien analysiert und Nährstoffkombinationen gefunden, die unerwünschten Nebenwirkungen entgegenwirken.

Das Unternehmen hat bereits Produkte mit Kollagen-Protein für Haut und Haare auf den Markt gebracht sowie einen Proteinshake entwickelt, der Muskelschwund vorbeugen soll. Darüber hinaus habe man patentierte Wirkstoffkombinationen entwickelt, die den Hunger nach dem Absetzen der Medikamente dämpfen sollen, sagte Palzer.

Der Konzern nutzt interne Systeme wie die Plattform „Food Genie“, um riesige Datenmengen aus klinischen Studien zu analysieren, Nährstoffkombinationen zu identifizieren und Rezepte aus einer Datenbank mit rund 12.000 Vorlagen zu entwickeln. Zudem hilft die KI, das Verhalten von Konsumentinnen und Konsumenten zu simulieren und neue Trends auf sozialen Medien zu erkennen, bevor sie zum Massenphänomen werden. „Man sieht das Rauschen um bestimmte Themen und kann dann schlussfolgern, ob es sich um einen dauerhaften Trend handelt oder nicht“, sagte Palzer.

Diätologin: „Ziemlich traurig“
Nicht alle sind von dem Ansatz des Unternehmens überzeugt. Ernährungsfachleute weisen etwa darauf hin, dass frische und unverarbeitete Lebensmittel wie Fleisch, Eier, Bohnen oder Nüsse ebenfalls reich an Proteinen und Nährstoffen seien. „Es ist ziemlich traurig, dass wir uns immer wieder neuen Produkten zuwenden, die teurer sind als vollwertige, frische Lebensmittel“, sagte Amanda Avery, Professorin für Diätetik an der Universität Nottingham. „Leider lassen wir uns stark vom Marketing beeinflussen. Nestlé wird seine Hausaufgaben gemacht haben“, meinte sie weiter. Der Konzern werde mit seiner Strategie wahrscheinlich Erfolg haben.

Arzneimittel mit Wirkstoffen zum Abnehmen sind derzeit weltweit höchst gefragt. Ursprünglich wurden die Medikamente für Menschen mit Diabetes entwickelt. Der Wirkstoff Semaglutid wurde 2018 in der EU zugelassen, 2021 kam eine höher dosierte Version auf den Markt.

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