Österreichs Haushalte kaufen wegen der Teuerung deutlich weniger Lebensmittel ein. Besonders groß ist der Rückgang bei Familien mit Kindern – sie griffen um 14,5 Prozent weniger zu. Gleichzeitig boomen Aktionsware und Eigenmarken.
Von der Teuerung belastet, haben die Österreicher im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Wie die aktuelle AMA-Analyse zeigt, sank die Einkaufsmenge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 4,6 Prozent. Besonders hart trifft es Familien mit Kindern: Sie kauften um 14,5 Prozent weniger Frische-Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Fleisch, Eier und Milchprodukte.
Familien mit Kindern sparen am stärksten
Die Zahlen der Rollierenden Agrarmarktanalyse (RollAMA), die seit 30 Jahren das Einkaufsverhalten der österreichischen Haushalte untersucht, zeichnen ein klares Bild: Größere Familienhaushalte mit mehreren Kindern und mittlerem Einkommen passen ihr Einkaufsverhalten besonders stark an. Haushalte mit vier oder mehr Personen reduzierten ihre Einkäufe um 14,6 Prozent. Auch Familien mit Kindern insgesamt kauften um 14,5 Prozent weniger ein. Bei Haushalten mit drei Personen betrug der Rückgang 3,1 Prozent, bei Zwei-Personen-Haushalten 2,2 Prozent.
Ein Grund für den Rückgang: Es wird bewusster geplant und eingekauft. „Man schreibt Einkaufslisten, man plant seine Einkäufe und man kauft viel weniger spontan ein“, sagt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin von AMA-Marketing. Drei Viertel aller Österreicher versuchen derzeit, nur das zu kaufen, was wirklich nötig ist.
Weniger wegwerfen, mehr Reste verwerten
Die AMA-Expertin sehen darin aber nicht nur einen Sparkurs, sondern auch einen positiven Effekt: Lebensmittel werden bewusster verwendet. Mutenthaler-Sipek: „Es wird ganz bewusst geplant: Was kaufe ich ein, wofür brauche ich es? Um einfach auch die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.“ In vielen Haushalten werde verstärkt auf Resteverwertung gesetzt – auch mithilfe von Apps, die zeigen, was man aus dem, was noch im Kühlschrank ist, kochen kann.
Ein weiterer Grund für die geringeren Einkaufsmengen: Es wird weniger zu Hause gekocht. „Außer-Haus-Konsum spielt eine immer größere Rolle. Auch Kinder sind immer weniger zu Hause, sind öfters untertags in der Schule, da natürlich auch die Eltern häufiger beide berufstätig sind“, so AMA-Marktforscherin Micaela Schantl. Die klassischen Familienmahlzeiten werden weniger – und damit auch der Einkauf für den Haushalt.
Jeder dritte Euro fließt in Aktionsware
Dass die Österreicher sparen wollen, zeigt sich auch beim Einkaufsverhalten selbst. Mehr als jeder dritte Euro wird mittlerweile für Lebensmittel ausgegeben, die die Supermärkte in Aktion verkaufen. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Aktionsanteil im RollAMA-Warenkorb bei 34,3 Prozent – ein Anstieg gegenüber 33,4 Prozent im Vorjahr. Besonders hoch ist der Aktionsanteil bei Fleisch und Wurst: Hier fließen bereits 42,8 Prozent der Ausgaben in Aktionsprodukte.
„Die Konsumenten überlegen sich im Vorhinein sehr genau: was brauchen wir tatsächlich und wofür möchte ich mein zur Verfügung stehendes Budget ausgeben“, sagte Mutenthaler-Sipek. 66 Prozent der Haushalte verteilen ihre Einkäufe mittlerweile auf mehrere Geschäfte, um gezielt Aktionen zu nutzen. Die Treue zu einem einzigen Supermarkt sinkt.
Eigenmarken boomen – auch Bio-Eigenmarken
Ein weiterer Spar-Trend: Immer mehr Menschen greifen zu Eigenmarken der Supermärkte statt zu klassischen Markenprodukten. Der Anteil der Handelsmarken an den Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel liegt bereits bei 66 Prozent – also zwei Drittel. Bei Eiern liegt der Handelsmarkenanteil sogar bei 80 Prozent, bei Gebäck bei 74 Prozent und bei der Weißen Palette (Milch, Joghurt, Rahm) bei 72 Prozent.
Dabei geht es nicht nur um Billigprodukte: „Der Handelsmarkenanteil umfasst nicht nur Billig-Schienen, sondern da sind auch die Bio-Eigenmarken mit drinnen“, betont Schantl. Die Bio-Anteile im Lebensmitteleinzelhandel erreichten im ersten Halbjahr 2026 mit 12,6 Prozent ein All-Time-High. Österreich ist damit europaweit führend.
Der Wunsch nach dem kleinen Luxus
Trotz aller Sparsamkeit zeigt eine aktuelle YouGov-Shopper-Studie einen scheinbar widersprüchlichen Trend: 61 Prozent der Österreicher sagen, sie wollen das Leben im Hier und Jetzt genießen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Nur 39 Prozent denken stärker an morgen.
„Es scheint natürlich paradox, aber es gibt eben diese zwei Trends gleichzeitig“, erklärte Marktforscherin Klara Fichtenbauer von YouGov. Auf der einen Seite werde bewusst gespart, auf der anderen Seite gebe es einen großen Wunsch nach Genussmomenten und einer Auszeit aus der permanenten Krise. „Wir sehen diesen No-Future-Hedonismus: Wenn ich eh nicht weiß, was morgen kommt, möchte ich es mir zumindest jetzt im Moment schön machen.“
Doch auch dieser Genuss wird bewusst geplant – und möglichst günstig eingekauft. Die Folge: höherwertige Eigenmarken wie Bio-Produkte des Handels boomen, während klassische Markenprodukte an Bedeutung verlieren, weil sie noch teurer sind. Regionalität und Qualität bleiben dennoch wichtig: 74 Prozent der Konsumenten ist die Herkunft aus Österreich wichtig.
Diskonter gewinnen, Großflächen verlieren
Vom Sparverhalten profitieren vor allem die Diskonter. Sie konnten ihren Umsatzanteil im ersten Halbjahr 2026 auf über 30 Prozent ausbauen. Die klassischen Supermärkte ohne Diskonter verloren leicht an Anteil, besonders die Großflächen. Fachhandel und Direktvermarktung blieben mit 8,6 Prozent stabil. Die Konzentration im Lebensmittelhandel schreitet weiter voran: Fast 90 Prozent des Marktes entfallen auf die Top-4-Handelsketten.
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