Experten warnen

Biber-Invasion als Gefahr für den Neusiedler See

Burgenland
02.08.2026 06:00

Invasion der Nager: Gewarnt wird akut vor einem Wildwuchs an Dämmen im Bezirk Mattersburg, die Zuflüsse des Neusiedler Sees fast austrocknen lassen. Das ausufernde Naturphänomen könnte auf den Wasserpegel dramatische Auswirkungen haben.

Er war hochgeschätzt und galt als „Hecht im Karpfenteich“. Diesen Ruf hatte der oberste Chef der Gemeindeaufsichtsbehörde in seiner Amtszeit im Burgenland, Dr. Andreas Gold. Er packte Probleme an, an die sich andere gar nicht heranwagten.

Revier wächst unaufhörlich an
Jetzt plagen den einst hochrangigen Beamten, der ebenfalls für das Wasserrecht zuständig war, und weitere Grundstücksbesitzer ernste Sorgen: Nahe Sigleß, wo zwei Bäche zusammenkommen, die später in die Wulka fließen und in den Neusiedler See münden, nimmt der Bestand an Bibern „dramatische Ausmaße“ an. Ihr Revier weitet sich stetig aus.

Biber richten große Schäden an, sie stauen Wasser auf, das rasch verdunstet.
Biber richten große Schäden an, sie stauen Wasser auf, das rasch verdunstet.(Bild: Reinhard Judt)

Unermüdlich bauen die Nager einen Damm nach dem anderen. „Einerseits wird das Wasser so aufgestaut, dass das Bachbett eines Zubringers zur Wulka fast zur Gänze ausgetrocknet ist. Sehr viele Fische wie Stichlinge sowie Edel- und Signalkrebse sind verendet. Andererseits tragen die Biber zum Klimawandel bei, sie schaffen große Verdunstungsflächen“, warnt Gold.

„Biber wie heilige Kühe“
Beide Bäche, einer davon der Erlenbach, haben ihren Ursprung bei den Rosalia-Ausläufern. Laut dem ehemaligen Wasserrechtsexperten muss rasch eine nachhaltige Lösung gefunden werden. Vorerst stieß er auf taube Ohren. „Eine zuständige Stelle redet sich auf die andere zuständige Stelle aus“, sagt Gold. Begründet auf die EU-Verordnung, werden „Biber wie heilige Kühe behandelt“. Erst ein Anruf im Justizministerium in Wien brachte Schwung in die knifflige Angelegenheit. „Genau genommen liegt Amtsmissbrauch vor, weil nichts gegen die Gefährdung durch die Biber unternommen wird. Eine Anzeige bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft müsste die Folge sein“, erklärt Gold, vormals ebenso oberster Katastropheneinsatzleiter des Landes.

Andreas Gold vor dem fast ausgetrockneten Bachbett auf seinem Zwei-Hektar-Grund nahe Sigleß.
Andreas Gold vor dem fast ausgetrockneten Bachbett auf seinem Zwei-Hektar-Grund nahe Sigleß.(Bild: Reinhard Judt)

Absiedelung der Nager gefordert
Nach seiner aktuellen Beschwerde wurden bereits in zwei Etappen bestimmte Dämme der Nager mittels Bagger beseitigt. Doch bald darauf errichteten die emsigen Biber neue Dämme. „Was zu viel ist, ist zu viel. Der Wasserzustrom, der aufgrund des ausufernden Biber-Problems blockiert ist, wird dem Neusiedler See bald fehlen“, gibt der Fachmann zu bedenken. Er und seine Grundstücksnachbarn kämpfen weiter um eine Absiedelung der Biber.

Noch ein Problem: die Hitze!
Es ist heiß, der Wind weht – und das Wasser in den Lacken und dem Neusiedler See verdunstet. Während fast alle Lacken im Seewinkel bereits trocken gefallen sind, geht es dem See noch relativ gut. Einer, der täglich am größten Steppensee Mitteleuropas mit seiner Schifffahrt unterwegs ist und das bestätigt, ist Rudolf Gangl. „Der Wasserstand ist nicht schön, aber noch nicht bedrohlich“, meint er. An der tiefsten Stelle hat der See derzeit etwa 1,20 Meter. Erfahrene Seefahrer wissen auch, wo es kritisch wird.

Was aber auf jeden Fall fehlt, ist der Regen. Den letzten Niederschlag gab es bei der Biologischen Station in Illmitz am 24. Juli – es waren aber lediglich 3,3 Millimeter, faktisch nichts. Schaut man sich die Daten des Wasserportals Burgenland an, sieht man: Im Jahr 2022, als der Neusiedler See seinen absoluten Tiefpunkt erreicht hat, betrug der Minimalwert in Illmitz 114,01 Meter über Adria (müA). Je nachdem, in welche Richtung der Wind das Wasser jetzt drückt, sind es jetzt zwischen 115,188 müA und 115,131 müA. „Boote mit zu viel Tiefgang bekommen bereits Probleme“, weiß Rudolf Gangl.

Am Schilf erkennt man gut, wie weit der Wasserstand gefallen ist.
Am Schilf erkennt man gut, wie weit der Wasserstand gefallen ist.(Bild: Charlotte Titz)
Rudolf Gangl im Seebad Illmitz
Rudolf Gangl im Seebad Illmitz(Bild: Charlotte Titz)

Boote mit mehr Tiefgang am Limit
Die Fähr- und Ausflugsschiffe der Gangls haben einen Tiefgang von etwa 60 Zentimetern. „Das geht noch. Sind viele Gäste an Bord, helfen wir uns, indem wir die letzten Bankreihen absperren, damit sich das Gewicht anders verteilt“, so der Seekenner. In Jois sieht die Sache in diesem Fall aber schon anders aus. Boote, die etwa 80 Zentimeter Tiefgang haben, kommen nicht mehr aus dem Hafen. Für ihre Besitzer ist die Sommersaison gelaufen.

Boote mit einem Tiefgang von 80 Zentimetern können in Jois nicht mehr aus dem Hafen auslaufen. ...
Boote mit einem Tiefgang von 80 Zentimetern können in Jois nicht mehr aus dem Hafen auslaufen. Für ihre Besitzer ist die Saison beendet.(Bild: Charlotte Titz)

Was dem Illmitzer aber auffällt: Trotz höherer Wassertemperatur – der See hat eine bereits sehr laue 29,6 Grad, dürfte die Wasserqualität exzellent sein. „Man sieht keine toten Fische, wie es 2022 der Fall war, und auch der Zanderbestand hat sich wieder erholt“, weiß Gangl. Trotzdem würde er sich, genau wie alle Seeliebhaber, mehr Regen und vor allem einen feuchten Winter wünschen. Nachdem ja auch Donau & Co. an akutem Wassermangel leiden, könnte auch eine Wasserzuleitung für den See sonst wirklich zum Problem werden. 

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