„Krone“-Kommentar

Krisenabschluss bei der Herbstlohnrunde?

Kolumnen
01.08.2026 13:00

Die Hiobsbotschaften aus der Industrie reißen nicht ab: Lenzing baut Jobs ab, Kapsch TrafficCom strauchelt, Palfinger verschiebt seine Ziele. IV-Chefökonom Christian Helmenstein hat im „Krone“-Gespräch Klartext geredet: Bei der heurigen Herbstlohnrunde werde man wohl nicht um einen neuerlichen „Krisenabschluss“ herumkommen.

Im Vorjahr einigten sich die Metall-Arbeitgeber und die Gewerkschaft auf ein Lohnplus von rund 1,40 Prozent – bei einer Inflation von damals 2,8 Prozent. Die Beschäftigten verloren also Kaufkraft. Ein Kompromiss, der angesichts der tristen Lage und der Arbeitsplatzverluste gerade noch als Erfolg verkauft werden konnte.

Doch es gibt noch immer kein Licht am Ende des Tunnels: Unsere Industrie verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit, die Lohnstückkosten sind zu hoch, wir produzieren zu teuer. Helmenstein spricht von weiteren 6000 Stellen, die bis Ende 2027 wegfallen dürften.

Die Arbeitgeber werden daher erneut auf einen Abschluss unter der Inflation drängen. Die Gewerkschaften werden das nicht kampflos hinnehmen. Sie verweisen zurecht auf die explodierenden Lebenshaltungskosten.

Ein erneuter Krisenabschluss hieße, dass die Arbeitnehmer wieder die Hauptlast der Krise tragen – während die Politik insbesondere beim Bürokratieabbau trotz vieler Lippenbekenntnisse weiter säumig bleibt. Helmenstein fordert einen radikalen Bürokratieabbau als Hilfe für die Industrie. Aber davon haben die Beschäftigten im Herbst nichts – sie bangen wieder um ihren Lohn. Die Würfel sind noch nicht gefallen, aber die Vorzeichen stehen auf Sturm.

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