Krater und Trümmer
Polen: „Alles deutet auf russische Rakete hin“
Russland hat in der Nacht die Ukraine mit massiven Luftangriffen überzogen. Zur selben Zeit schlug ein Flugobjekt im NATO-Land Polen ein. Laut polnischer Regierung deutet alles auf eine russische Rakete hin.
In der Nacht auf Mittwoch hatte das polnische Militär ein unbekanntes Flugobjekt entdeckt, das in den Luftraum eingedrungen war und Richtung Westen flog. Eine polnische F-16 wurde auf das Objekt angesetzt. Bevor es abgefangen werden konnte, verschwand es vom Radar.
„Fast wären die Fenster zerbrochen“
Später fand die Besatzung eines polnische Polizeihubschraubers die Absturzstelle des Objekts in der Nähe des Dorfes Tarnawa-Kolonia in der Woiwodschaft Lublin – etwa 100 Kilometer hinter der Grenze. In einem Feld, etwa zwei Kilometer von den nächsten Gebäuden entfernt, wurden ein Krater von rund zehn Metern Durchmesser und verstreute Trümmerteile entdeckt. Dorfbewohner schilderten lokalen Medien eine laute Explosion. „Wir haben noch nie etwas Derartiges gehört. Fast wären die Fenster zerbrochen“, wird ein Anwohner zitiert.
Polnische Rettungskräfte und das Militär befinden sich an der Absturzstelle:
„Alles deutet auf russische Rakete hin“
Dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zufolge handelte es sich bei dem Flugobjekt offenbar um eine russische Rakete. „Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine russische ballistische Rakete vom Typ Ch-101 handelte“, sagt Tusk. „Aber wir wollen hundertprozentig sicher sein, um welchen Raketentyp es sich handelt und wer sie abgefeuert hat.“ Ch-101 sind luftgestützte Marschflugkörper mit Tarnkappentechnik aus russischer Produktion.
Kiew sieht die Verantwortung für den Vorfall klar bei Russland. Ein russischer Marschflugkörper sei während der Angriffe auf die Ukraine in den polnischen Luftraum eingedrungen, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha . Dies sei ein weiterer Beweis dafür, dass die Luftabwehr der Ukraine dringend gestärkt werden müsse, auch um die NATO-Länder zu schützen.
Acht Tote bei Luftangriffen
Die russischen Angriffe ließen in der Nacht auf Donnerstag in Kiew und in Städten bis weit in den Westen des Landes die Alarmsirenen heulen. Die Militärverwaltung warnte gegen Mitternacht vor dem Einsatz ballistischer Waffen. Neben Raketen setzten die Angreifer auch Marschflugkörper und Hunderte Drohnen ein. Ein AFP-Reporter berichtete von mehreren Explosionen. Mindestens acht Menschen wurden den Luftangriffen getötet und mehr als 30 weitere verletzt, so die Behörden.
Ukrainische F-16 abgestürzt
Auch die ukrainische Luftwaffe muss einen bitteren Verlust verzeichnen: Ein F-16-Kampfjet ist am Mittwoch im Luftkampf abgestürzt. Die ukrainische F-16 habe feindliche Flugobjekte abgefangen, als sie abstürzte, teilte die Luftwaffe am Mittwochabend mit. Der Pilot musste sich per Schleudersitz retten. Die genaue Absturzursache wird noch ermittelt, vorläufig ist von einer „Notfallsituation an Bord“ die Rede. Der Pilot ist laut Luftwaffe wohlauf, am Boden gab es keine Schäden und Opfer.
Die für die Luftverteidigung wertvollen westlichen F-16-Kampfjets, die die Ukraine nach langem Werben von ihren Partnern erhielt, werden vor allem bei der Abwehr russischer Drohnen- und Raketenangriffe eingesetzt. Mehrere Maschinen sind bei den riskanten Manövern bereits abgestürzt.
Wieder Attacke auf russisches „Amazon“
Unterdessen attackierte das ukrainische Militär in der Nacht erneut den russischen Online-Händler Wildberries. Durch Drohnenbeschuss wurde ein großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand gesetzt, wie die Behörden mitteilten. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden.
Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.
Trifft russische Mittelschicht
Ein Ziel der ukrainischen Führung scheint aber auch zu sein, Unruhe in der Mittelschicht russischer Städte zu schüren, die gern online einkauft. Infolge der Angriffe und dadurch gestörten Lieferketten bekommt sie die Kriegsfolgen nun stärker zu spüren als zuvor. Erst in der Nacht auf Mittwoch hatte die Ukraine in der russischen Stadt Rjasan ein großes Logistikzentrum von Wildberries und eine Raffinerie angegriffen.

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