Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihr Inflationsziel von zwei Prozent aus Sicht von Beobachterinnen und Beobachtern erst 2028 erreichen. Heuer dürfte die Inflation bei 2,7 Prozent liegen, im kommenden Jahr dann bei 2,2 Prozent.
Bei der vorigen Befragung der EZB gaben die Volkswirtinnen und Volkswirte noch eine Teuerungsrate von 2,1 Prozent an. 2028 sollte die Stabilitätsmarke von zwei Prozent dann genau getroffen werden. Diese Prognose hat sich im Vergleich zur aktuellen Befragung somit nicht geändert. Die Konsumentinnen und Konsumenten rechnen laut einer separaten Umfrage der Notenbank hingegen mit einer höheren Inflation – nämlich einer Teuerungsrate von drei Prozent in den kommenden elf Monaten (zwölf ab Juni gerechnet, Anm.).
Wie berichtet, ließ der EZB-Rat den Leitzins am Donnerstag auf seiner Sitzung unverändert bei 2,25 Prozent. Als wahrscheinlich gilt eine Erhöhung im September. „Sollte es notwendig sein, die Zinsen zu erhöhen, um unser mittelfristiges Ziel zu erreichen, so wird das passieren“, sagte der Chef der Oesterreichischen Notenbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglied, Martin Kocher. Die letzte Zinserhöhung, die Kocher im Juni verteidigte, habe den Währungshüterinnen und Währungshütern den nötigen Spielraum verschafft, um die weitere Entwicklung sorgfältig zu analysieren. Bis September würden dann etwa neue Inflationsdaten vorliegen.
Das beeinflusst die Inflation
Während Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen und Mittleren Osten die Ölpreise zeitweise drückten und eine weitere Zinserhöhung weniger wahrscheinlich erscheinen ließen, habe das Wiederaufflammen des Konflikts die Energiepreise zuletzt nach oben getrieben, sagte Kocher. Die höheren Energiekosten könnten sich auf die gesamte Wirtschaft übertragen. Höhere Energiepreise würden sich mit Verzögerung etwa auf Dienstleistungen auswirken. Zusätzlich zu dem Ölpreis und den Entwicklungen am Gasmarkt rücken auch die Lebensmittelpreise sowie die Löhne im Euroraum ins Visier.
„Sollte es nicht notwendig sein, die Zinsen zu erhöhen, dann wird es auch keine Erhöhung im September geben“, meinte Kocher. Als wahrscheinlicher gilt derzeit aber das Szenario, dass der Leitzins nicht bei 2,25 Prozent bleiben wird.
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