Kritik an Auszeit-WG

Intensivtäter als Nachbarn: Sorge in Simmering

Tür an Tür mit den gefährlichsten Halbstarken: Nach Einzug des ersten Intensivtäters in die Auszeit-WG für unter 14-Jährige kommt Kritik von Simmerings Bezirksvorsteher. Er vermisst auch ein Sicherheitskonzept und sei zu wenig eingebunden worden. 

Nach beinahe dreimonatiger Verzögerung zog vergangene Woche der erste unmündige Intensivtäter in die umstrittene Auszeit-WG in Wien-Simmering ein. Harsche Kritik, neben jener von der Opposition, kommt erneut aus dem Bezirk selbst. „Wieder hat man mich vor vollendete Tatsachen gestellt“, ist der Bezirks-Chef, Thomas Steinhart (SPÖ), verärgert.

Von Beginn an sei er kaum über die WG informiert worden. So habe er erst sehr spät davon erfahren, dass die Einrichtung überhaupt in seinem Bezirk sein werde. Nun sei er auch über den Einzug des ersten Intensivtäters, ein 13-Jähriger, und den offiziellen Start des Pilotprojekts nicht in Kenntnis gesetzt worden.

Wieder hat man mich vor vollendete Tatsachen gestellt. Mich am Vorabend der ersten Pressekonferenz zur offiziellen Vorstellung der Auszeit WG zu informieren, ist für mich ein klares Zeichen dafür, dass Protest zu Recht erwartet wird.

Thomas Steinhart (SPÖ)

Bezirksvorsteher Simmering 

Er vermisse außerdem ein offizielles Sicherheitskonzept für Anrainer. „Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität“, sagt er. Simmering sei aufgrund der Jugendstrafanstalt Münnichplatz schon vor Herausforderungen gestellt worden. Gemeinsam mit allen zuständigen Stellen sei man mit Anrainern in diesem Fall stets im Austausch. Diese Art der Kommunikation hätte er sich auch bei der Auszeit-WG gewünscht.

Alarmsystem und keine Handys
Die Kinder- und Jugendhilfe (MA 11), die die Auszeit-WG betreibt, verweist bei der Frage nach der Sicherheit allerdings auf umfassende Vorkehrungen im Haus. So arbeite vor Ort ein Security, der die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolviert. Das Haus sei mit bruchsicheren Türen und Fenstern ausgestattet.

Außerdem existiert ein Alarmsystem, das Mitarbeiter bei Notfällen aktivieren können. Signale würden dann auch an die Außenwelt gesendet. Details dazu wollte die MA 11 auf „Krone“-Nachfrage aber nicht preisgeben. Die Betreuer, von denen immer mindestens zwei im Dienst sind, wurden in Selbstverteidigung, Deeskalation und Festhaltetechniken geschult.

Digitale Medien sind in der WG nicht erlaubt. Dem 13-Jährigen, der vergangene Woche einzog, wurde sein Handy abgenommen. Im Haus stehe ihm ein Telefon mit den Nummern seiner Eltern zur Verfügung.

Teurer als geplant
Insgesamt 995.000 Euro kostet die WG der Stadt jährlich. Ursprünglich war von 800.000 Euro die Rede. Der Grund sei ein größerer Anteil an Fachkräften gewesen und nicht die baulichen Maßnahmen am Haus. Jene hatten aber zur Verzögerung des Starts beigetragen.

Bis zu zwölf Wochen können die elf- bis 13-jährigen Kinder, von denen eine akute Fremd- sowie Selbstgefährdung ausgeht und andere Angebote der Stadt nichts halfen, in dem abgelegenen Haus festgehalten werden. Schon bald soll ein zweiter Bursch einziehen.

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