Google investiert so viel Geld in künstliche Intelligenz wie nie zuvor – und das hat nun eine historische Folge: Erstmals seit dem Börsengang vor mehr als 25 Jahren weist der Konzern im abgelaufenen Quartal einen negativen freien Cashflow aus. Trotz stark steigender Umsätze sorgt die milliardenschwere KI-Offensive bei Anlegern für Nervosität.
Der Google-Mutterkonzern Alphabet meldete für das zweite Quartal einen freien Cashflow von umgerechnet rund minus 5,1 Milliarden Euro. Dieser Wert zeigt, wie viel Geld einem Unternehmen nach laufenden Ausgaben und Investitionen üblicherweise noch zur Verfügung steht. Diesmal reichte das im operativen Geschäft erwirtschaftete Geld jedoch nicht aus, um die enormen Investitionen in neue Rechenzentren, Server und weitere KI-Hardware zu finanzieren.
Milliarden für KI treiben Kosten in die Höhe
Wie die „Financial Times“ berichtet, hebt Alphabet seine Investitionspläne für das laufende Jahr erneut an. Finanzchefin Anat Ashkenazi erklärte, dass der Konzern 2026 nun zwischen rund 168 und 176 Milliarden Euro in Infrastruktur investieren will – deutlich mehr als die bisher geplanten 155 bis 163 Milliarden Euro. Die Aktie verlor nachbörslich rund 3,5 Prozent.
Ashkenazi machte gegenüber der „Financial Times“ deutlich, dass der freie Cashflow „durch unsere Investitionen in die technische Infrastruktur unter Druck bleiben“ werde. Diese Ausgaben seien notwendig, um die Chancen der KI-Technologie zu nutzen und langfristig attraktive Erträge zu erzielen.
Wettlauf mit Meta, Microsoft und Amazon
Google liefert sich derzeit mit Konkurrenten wie Meta, Microsoft und Amazon ein Wettrennen um die Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz. Gemeinsam steuern die vier Technologiekonzerne auf Investitionen von mehr als 620 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur im Jahr 2026 zu.
Trotz der hohen Ausgaben wächst das operative Geschäft kräftig weiter. Die Cloud-Sparte steigerte ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 82 Prozent auf umgerechnet rund 21,3 Milliarden Euro. Das Suchmaschinen-Werbegeschäft legte um 17 Prozent auf etwa 54,3 Milliarden Euro zu. Insgesamt kletterte der Quartalsumsatz auf rund 103 Milliarden Euro nach etwa 82,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.
KI-Offensive soll sich langfristig auszahlen
Konzernchef Sundar Pichai zeigte sich zuletzt überzeugt, dass der KI-Boom erst am Anfang stehe. Google wolle seine nächste Generation der KI-Modelle, Gemini 4, mit Hochdruck entwickeln und das Tempo bei neuen Veröffentlichungen erhöhen. Allein im zweiten Quartal investierte Alphabet umgerechnet rund 38,5 Milliarden Euro in neue Infrastruktur – mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Diese Ausgaben führten dazu, dass der freie Cashflow erstmals seit dem Börsengang ins Minus rutschte. Gleichzeitig vervierfachte sich der Nettogewinn auf rund 96 Milliarden Euro, was allerdings auch auf Gewinne aus Unternehmensbeteiligungen – etwa an SpaceX – zurückzuführen ist. Das operative Ergebnis ohne solche Beteiligungseffekte stieg um 30 Prozent auf rund 35 Milliarden Euro.
Milliardenoffensive wird auch mit Schulden finanziert
Um die gewaltigen Investitionen stemmen zu können, setzt Alphabet inzwischen nicht nur auf die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren Schulden in Höhe von fast 86 Milliarden Euro aufgenommen und kündigte im Juni zudem den Verkauf neuer Aktien im Umfang von rund 73 Milliarden Euro an.
Nach Angaben der Finanzchefin sollen darüber hinaus vorerst keine weiteren Aktien ausgegeben werden. Mit den Milliardeninvestitionen will Google vor allem die stark wachsende Nachfrage nach Cloud-Diensten und KI-Anwendungen bedienen.
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