Nächster Meilenstein für die Trinkwasserversorgung in der Steiermark: Zwischen Graz und Leibnitz entsteht eine neue Transportleitung um 40 Millionen Euro. Die überregionale Verteilung der lebenswichtigen Ressource wird immer wichtiger.
Die Steiermark ist mit einem reichen natürlichen Wasserschatz gesegnet. Zunehmende Trocken- und Hitzeperioden – wie wir sie heuer sehr ausgeprägt erleben – sowie steigender Verbrauch bringen die Trinkwasserversorgung vielerorts aber schon jetzt an die Grenzen. Damit weiterhin jeder Steirer bequem jederzeit den Wasserhahn aufdrehen kann, braucht es die entsprechende Infrastruktur und Planung zur Verteilung der lebenswichtigen Ressource.
Ein zentraler Baustein dafür sind große Transportleitungen. Am Donnerstag fiel mit der Gründung des Wasserverbands „Transportleitung Steiermark Süd“ der Startschuss für einen weiteren Meilenstein in der steirischen Trinkwasserversorgung bzw. des „innersteirischen Wasserausgleichs“.
150 Millionen Euro für neue Wasserleitungen
„Wir müssen das Wasser von den riesigen Vorkommen im Alpenraum in den Süden und Osten bringen. Genau dafür braucht es diese Leitung“, sagt die zuständige Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP). Konkret soll eine 33 Kilometer lange Transportleitung mit 60 Zentimetern Durchmesser von Feldkirchen bei Graz bis Landscha bei Leibnitz entstehen.
Im Zuge dessen wird in Kehlsdorf ein Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Kubikmetern errichtet. Das Projekt schlägt mit rund 40 Millionen Euro zu Buche und wenn alles nach Plan läuft, soll in fünf bis sechs Jahren Wasser durch die neue Leitung fließen. Hinter dem Projekt stehen die Wasserverbände Umland Graz, Leibnitzerfeld, Leibnitzerfeld Süd und Vulkanland.
Auch in den Westen entsteht eine neue Leitung
„Seit Jahren arbeiten die Wasserversorger in der Steiermark an der überregionalen Vernetzung und der gegenseitigen Trinkwasserabsicherung“, sagt Josef Ober, Obmann des Wasserverbands Vulkanland sowie des nun gegründeten Verbands und betont: „Die Leitung bleibt zu 100 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand.“ Ein vergleichbares Netzwerk habe kein zweites Bundesland in Österreich.
Die neue Transportleitung Süd ist Teil des Programms „Wassernetzwerk Steiermark 2050“. Im Zuge dessen fiel heuer im Frühjahr auch bereits der Startschuss für die neue Transportleitung Weststeiermark, wo bereits gebaut wird. Insgesamt fließen in den nächsten 20 Jahren 150 Millionen Euro in den Ausbau des Wassernetzes.
„Den Bürgern muss das auch etwas wert sein“
„Wasser wird in Zukunft kostbarer sein als Gold“, sagt Landesrätin Schmiedtbauer und betont, dass das Land künftig viel an der Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung arbeiten will – „nicht über Verbote, sondern über Aufklärung und Anreize“. Dem pflichtet auch Verbands-Obmann Josef Ober bei: „Den Bürgern muss das auch etwas wert sein. Im achtsamen Umgang mit Wasser muss man noch viel dazu lernen. Unter anderem wird es viel mehr Brauchwasseranlagen geben müssen.“
Über die ganze Steiermark betrachtet fiel laut Daten der GeoSphere Austria heuer bis dato um 26 Prozent weniger Niederschlag als in der Vergleichsperiode der Jahre 1991 bis 2020. Regional fiel das Defizit noch deutlich stärker aus (siehe Grafik). Vor allem das trockenste Frühjahr der Messgeschichte machte sich auch im gesamten steirischen Wasserhaushalt deutlich bemerkbar.
„Was das Niederschlagsdefizit angeht, hat sich die Lage wieder etwas eingependelt, im Frühjahr war es noch viel stärker ausgeprägt“, sagt Clemens Matzer, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes. Bei den aktuellen Grundwasserpegeln zeige sich ein sehr unterschiedliches Bild: „Im Murtal oder im Ennstal bewegen wir uns schon Richtung Minima, im Grazer Raum sind wir bei Mittelwerten, wie auch in der Oststeiermark, wo wir teils sogar ein bisschen drüber sind“, so Matzer.
Uns droht aktuell keine große Wasserknappheit, aber wir müssen uns für die Zukunft aufstellen.

Clemens Matzer
Bild: Jürgen Fuchs
Davon, dass uns in der Steiermark das Trinkwasser ausgeht, sei man noch weit entfernt. „Aber wir müssen uns natürlich für die Zukunft aufstellen, und da ist diese neue Transportleitung (von Feldkirchen nach Leibnitz, Anm.) zum Beispiel ein Baustein.“
Ein Appell an die Bürger
Doch neben Maßnahmen seitens Politik und Wasserversorger sei auch die Bevölkerung gefordert, sagt Matzer: „Ich appelliere an jeden einzelnen Bürger, dass man nicht einfach achtlos irgendwo das Wasser laufen lässt oder etwa mit gedankenlosen Pool-Befüllungen zu Spitzenzeiten zusätzliche Belastungen schafft.“
Ein wesentliches Thema sei auch Brauchwasser, beispielsweise bei der Gartenbewässerung, die gerade angesichts der Trockenheit häufiger Thema wird. „Regenwasserzisternen werden immer wichtiger. Das Land fördert diese auch mit bis zu 80 Prozent.“
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