Gesichter verpfuscht

54 Körperverletzungen: „Frau Doktor“ vor Gericht

Gericht
23.07.2026 11:54

Von ihren Mitarbeitern und Patienten ließ sich die 45-Jährige als „Frau Doktor“ ansprechen. Ohne auch nur jemals ein Medizinstudium begonnen zu haben, führte sie in einem Kosmetikstudio in der Wiener Innenstadt tausende schönheitschirurgische Eingriffe durch. „Die endeten teilweise mit dramatischen Folgen“, klagt sie der Staatsanwalt wegen 54 teils schweren Körperverletzungen und mehr an.

Schwellungen, Rötungen, Entzündungen, Abszesse, taube Lippen, hängende Augen, völlig entstellte Gesichter und mehr – das mussten zig Frauen nach Behandlungen in einer vermeintlichen Schönheitsklinik an einer Top-Adresse in der Wiener Innenstadt erleiden. Dort, wo die 45-jährige Angeklagte sich als Ärztin ausgab und als „Frau Doktor“ ansprechen ließ. „Sie hat Eingriffe in großer Zahl durchgeführt, die mit dramatischen Folgen geendet haben“, fasst der Staatsanwalt zusammen. 

Illegale Substanzen ins Gesicht gespritzt
„Das Ganze war sehr professionell aufgezogen.“ Es wurden schöne Räumlichkeiten angemietet, ansprechende Einrichtung besorgt, mehrere Mitarbeiter eingestellt. „Es war aber eigentlich nur ein Kosmetikinstitut“, so der Ankläger in Wiener Landl.

Und trotzdem nahm die Iranerin dort Eingriffe vor – von Augen- über Lippen- bis zu Nasenbehandlungen mit Substanzen, die laut Anklageschrift in Österreich gar nicht zugelassen waren. „Es handelt sich nicht um einen bedauerlichen Einzelfall“, fängt der Staatsanwalt an aufzuzählen: 15 Patientinnen wurden leicht verletzt. 39 Patientinnen sogar schwer. 

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Bei manchen Opfern waren die Schäden so massiv, dass Folgeoperationen notwendig waren. In manchen Fällen sogar Notoperationen.

Wiener Staatsanwalt

Ein Schicksal, das die „Krone“ bereits öffentlich machte: Jenes von Snezana A. Die 50-jährige Mandantin von Privatbeteiligtenvertreter Alfred Boran besuchte 2022 den Pfusch-Salon für einen kleinen Naseneingriff. Und verließ ihn völlig entstellt. Mehrere Jahre litt sie unter den Folgen. Der Staatsanwalt weiß: „Bei manchen Opfern waren die Schäden so massiv, dass Folgeoperationen notwendig waren. In manchen Fällen sogar Notoperationen.“ 88 Opfer meldeten sich im Ermittlungsverfahren.

Anwalt Alfred Boran mit Mandantin Snezana A. – mehrere Eingriffe konnten ihr Gesicht retten.
Anwalt Alfred Boran mit Mandantin Snezana A. – mehrere Eingriffe konnten ihr Gesicht retten.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Verteidiger Rudolf Mayer versucht das zu relativieren: „Das wirkt so, als wäre bei jedem Eingriff etwas passiert.“ Von Juli 2021 bis Jänner 2023 hätte die falsche Schönheitsärztin aber 2929 Frauen „behandelt“. „Das war ja keine, so wie es üblich ist, Kosmetik im Hinterzimmer“, so Mayer. Dass das natürlich trotzdem illegal ist, sei seiner Mandantin klar – die 45-Jährige bekennt sich der Kurpfuscherei schuldig.

Verteidiger Rudolf Mayer vertritt die falsche Schönheitschirurgin.
Verteidiger Rudolf Mayer vertritt die falsche Schönheitschirurgin.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Und was die dutzenden, teils schweren Körperverletzungen und Entstellungen angeht? „Ich wollte niemandem wehtun. Ich wollte Patientinnen das beste Ergebnis geben“, meint die falsche Frau Doktor. Eine Fahrlässigkeit räumt sie jedoch ein – eine Entschuldigung bleibt aber aus. Stattdessen gibt es Rechtfertigungen: „Dass illegale Produkte verwendet wurden, stimmt nicht. Das sind Produkte aus Korea, die legal importiert wurden.“ Ein Gutachten sagt das Gegenteil. 

Weil die verletzten Frauen gehört werden müssen und es zusätzlich um Betrügereien im oberen sechsstelligen Bereich geht, wird es wohl noch einen Prozesstermin im Herbst geben. 

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