Bei einer Hausdurchsuchung wurde im März im Mürztal (Steiermark) explosives Material gefunden. Vor Gericht präsentierte sich ein Angeklagter mit beängstigenden Kriegsfantasien. Der psychiatrische Gutachter empfahl eine Unterbringung.
Weil einem Steirer im März vor dem LKH Graz II eine Pistole aus der Hand fiel, rief ein Taxilenker die Polizei. Was folgte, war eine Hausdurchsuchung bei dem 31-Jährigen im Mürztal. Dort wurden neben angsteinflößenden Notizen über Kriegsführung und -vorbereitung, einer Langwaffe und NS-Literatur auch explosives Material gefunden.
Der Steirer kam in Haft, am Mittwoch stand er wegen Vorbereitung eines Verbrechens durch Sprengmittel vor Gericht. Und sein Auftritt war mehr als unheimlich. So behauptete er immer wieder, von Personen massiv bedroht zu werden. „Ich kann sie aber nicht nennen, weil es sonst Konsequenzen gibt, dann drohen mir Strafen.“ Deswegen müsse er sich schützen.
Wer diese Notizen verfasst hat, muss wahnsinnige Angst vor einem Weltkrieg haben.
Gutachter Manfred Walzl
Auf die Frage von Richterin Kornelia Philipp, warum er Bestandteile zur Herstellung von Sprengstoff zu Hause lagerte, meint er: „Für gar nichts. Ich hatte sicher keinen Anschlag vor oder Terror.“ Das Schwarzpulver habe er geschenkt bekommen. Die zwei Kilo Kaliumchlorid seien ein „Altbestand“. Und die Salzsäure habe er sich gekauft, um Experimente zu machen. „Natürlich werden viele Substanzen missbräuchlich verwendet, aber nicht von mir“, erklärt er mit dem Brustton der Überzeugung.
Als ihn die Vorsitzende auf seine schrägen Notizen über Leitfäden der Pyrotechnik, Bunkerbau, eisenverstärkte Türen, Gitter an den Fenstern, Sprengstoff-Schutzwesten oder Verdunkelungsfolien anspricht („mir wird schlecht, wenn ich das durchlese“), wiegelt er ab. „Das ist nicht alles von mir.“ Vieles habe jemand anderer geschrieben. Jemand mit höherem Status bei der Polizei, der sich gut auskennt. „Ich kann ihn aber nicht nennen, das würde seine Karriere kaputtmachen.“ Bei einigen Schriftstücken wisse er gar nicht, woher sie stammen. Die wenigen Notizen, die von ihm angefertigt wurden, seien nur moderne Kriegstaktiken. „Die will ich in einem Buch publizieren.“
„Wahnsinnige Angst vor einem Weltkrieg“
„Aber es ist doch immer dieselbe Schrift“, wirft Gutachter Manfred Walzl ein. „Wer diese Notizen verfasst hat, muss wahnsinnige Angst vor einem Weltkrieg haben“, ist der psychiatrische Sachverständige überzeugt. Er empfiehlt aufgrund der Gefährlichkeit des Angeklagten wegen einer offenbar psychischen Erkrankung – vermutlich eine paranoide Schizophrenie – eine vorläufige Unterbringung.
Im Vorfeld hatte der 31-Jährige jegliche Kooperation mit dem Mediziner abgelehnt. Weshalb eine Begutachtung bis dato nicht möglich war und sich der Sachverständige nur aufgrund der Verhandlung einen ersten Eindruck verschaffen konnte.
„Was sind Sie für ein Verteidiger?“
„Das ist eine komplette Fehlbeurteilung“, plustert sich der Angeklagte auf. „Ich habe keine psychische Störung. Was sind Sie für ein Verteidiger“, schimpft er in Richtung seines Anwalts. „Ich komme jetzt zu denen, die alle plemplem sind, oder wie?“ – „Das lassen wir jetzt alles in der Klinik abklären“, sagt die Richterin. „Das ist nur zu Ihrem Besten“, ergänzt der Verteidiger. Der Prozess wurde vertagt.


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