Israels Militär hat laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP im zentralen Gazastreifen auf einer Länge von mehr als 23 Kilometern einen massiven Erdwall errichtet (siehe Satellitenaufnahme oben). Diese Barriere verläuft durch zerstörte palästinensische Dörfer. Die dort nun in Zelten und Notunterkünften lebende Bevölkerung befürchtet, dass eine neue Grenze errichtet werden könnte.
Die israelischen Streitkräfte bestätigten gegenüber AP, dass eine physische Barriere entlang der gelben Linie errichtet worden sei. Hinter diese Linie hatte sich Israel gemäß des Waffenstillstandsabkommens im Oktober 2025 zurückgezogen. Die Anlage dient den Angaben zufolge als Schutz für israelische Gemeinden in der Nähe des Gazastreifens. Zudem solle damit das Eindringen von unbefugten Personen verhindert werden. So möchte man „Schaden für unbeteiligte Personen verhindern“, hieß es.
USA schweigen zu israelischen Bautätigkeiten
Auch von den USA war eine vorübergehende Teilung des Gazastreifens – bis zum vollständigen Abzug der israelischen Truppen – abgesegnet worden. Doch aus dieser temporären Maßnahme scheint nun – auch aufgrund des brüchigen Waffenstillstandes – ein längeres Unterfangen zu werden. Der von US-Präsident Donald Trump geleitete Friedensrat, der den Wiederaufbau des Gazastreifen kontrollieren soll, hat sich bisher nicht zu den Bautätigkeiten der israelischen Armee geäußert.
Rund die Hälfte des 365 Quadratkilometer großen Gebiets hält Israel noch immer besetzt. In diesen Gebieten wurden die meisten Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, auf den Trümmern militärische Stützpunkte aufgebaut. Auch landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört, dabei beteuert Israel stets, dass Infrastruktur der radikalislamischen Terrormiliz Hamas im Visier sei.
Rufe nach Wiederbesiedlung des Gazastreifens werden lauter
In Israel selbst wird der Ruf nach einer Wiederbesiedlung des umkämpften Küstenstreifens immer lauter. Am Sonntag fand ein Marsch von rechtsextremen und rechten Ministern, Abgeordneten und deren Anhängern Richtung Grenze zum Gazastreifen statt. Ziel der rechten Gruppen ist es, neue israelische Siedlungen im Gazastreifen aufzubauen. Unter den teilnehmenden Regierungsvertretern waren unter anderem der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich. Smotrich hatte bereits im März erklärt, die Vorbereitungen für drei israelische Siedlungen im Gazastreifen seien abgeschlossen.
Er hatte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz danach vergeblich aufgefordert, die Pläne umzusetzen. Netanyahus rechtskonservative Likud-Partei ist zum Regieren auf die extreme Recht angewiesen. Israels Politik befindet sich aber schon im Wahlkampf vor der für Ende Oktober geplanten Parlamentswahl.


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