Gefährliche Eskalation

Die USA und der Iran schwören einander Rache

Außenpolitik
19.07.2026 08:11
Porträt von krone.at
Von krone.at

Das US-Militär hat in der Nacht auf Sonntag zum achten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen. Bei iranischem Beschuss sind wiederum zwei US-Streitkräfte ums Leben gekommen. Nun haben beide Seiten Rache geschworen.

Es war das erste Mal seit den Anfangstagen des Iran-Krieges, den die USA und Israel am 28. Februar gemeinsam begonnen hatten, dass das US-Militär wieder Tote durch iranischen Beschuss meldete. Die beiden Soldaten kamen am Freitag in Jordanien ums Leben. Dort hätten sich die Streitkräfte gemeinsam mit Verbündeten gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigt, hieß es. Ein weiterer Soldat werde noch vermisst. Damit sind seit Kriegsbeginn mindestens 16 US-Streitkräfte im Iran-Krieg getötet worden.

Der Iran habe sich auf die US-Abwehrsysteme eingestellt und feuere Raketen ab, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Sturzflugs manövrieren könnten, zitierte das „Wall Street Journal“ US-Beamte. Befürchtet wird, dass Teheran bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhält. „Wir sehen das ungern. Das ist eine sehr traurige Sache“, sagte US-Präsident Donald Trump zu den getöteten Soldaten. Der Krieg wird in den Vereinigten Staaten immer unpopulärer.

Inspektion einer zerstörten Brücke nach einem US-Angriff im Iran
Inspektion einer zerstörten Brücke nach einem US-Angriff im Iran(Bild: AFP/Hossein KHORGOOEI/ISNA)
Teheran wirft dem Weißen Haus vor, immer wieder zivile Infrastruktur ins Visier zu nehmen.
Teheran wirft dem Weißen Haus vor, immer wieder zivile Infrastruktur ins Visier zu nehmen.(Bild: AFP/Amir Hossein KHORGOOEI /ISNA)

50 Tote im Iran seit der neuen Angriffe
Im Iran starben laut dem dortigen Gesundheitsministerium seit den jüngsten US-Angriffen mindestens 50 Menschen. Mehr als 500 weitere wurden verletzt. Die Regierung in Teheran berichtet im Regelfall nur über zivile Opfer. Das US-Militärkommando CENTCOM teilte mit, militärische Küstenüberwachungs- und Flugabwehranlagen, Raketen- und Drohnenlagerstätten angegriffen zu haben.

US-Streitkräfte im Oman
US-Streitkräfte im Oman(Bild: AFP/NAVCENT Public Affairs / US MARINE CORPS)

Wie berichtet, sagte Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi, dass das Mitte Juni vereinbarte Abkommen mit den USA ausgesetzt worden sei. Das sei ihm „völlig egal“, kommentierte Trump. In dem Abkommen war vereinbart, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zum Kriegsende auszuhandeln. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump auch selbst kürzlich für beendet erklärte. Irans oberster Führer Ayatollah Mojtaba Khamenei, der sich noch nie öffentlich gezeigt hat, drohte mit Racheakten. „Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten“, teilte er in einer Erklärung mit.

„Kein Vertrauen, Vermittler erschöpft“
Das US-Militär sagte wiederum, die iranischen Revolutionsgarden, die die Angriffe auf amerikanische Soldaten in Jordanien verübt hätten, „schnell zu bestrafen“. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf der Plattform X, es werde immer deutlicher, „dass die Ereignisse allmählich außer Kontrolle geraten“. Angesichts des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, der zunehmend erschöpften Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, „ist das Risiko einer weiteren Eskalation mittlerweile größer als die Aussichten auf eine Deeskalation“.

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