Ach, übrigens...

The Normal One?

Vorarlberg
19.07.2026 14:55

Jürgen Klopp soll die deutsche Fußballnationalmannschaft nun retten, nachdem Ex-Coach Julian Nagelsmann nach dem blamablen WM-Aus von seinem Posten entfernt wurde. Dafür musste der DFB nicht lange überlegen, bemerkt „Krone“-Kolumnist Harald Petermichl  – und Kloppo gibt sogar die Dosen auf.

Wer das Zwielicht der Welt in Baden-Württemberg erblickt, hat gute Chancen, Nationaltrainer zu werden. Nicht nur in Österreich, wo aktuell mit Ralf Rangnick ein Backnanger die Seitenlinie bereichert, in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit noch ungleich höher und ein Blick in die Historie zeigt, dass mit Nerz, Herberger, Klinsmann, Löw und Flick schon fünf Herren in der Verantwortung waren, die aus dem Land kommen, wo man nach eigenem Bekunden „alles außer Hochdeutsch“ kann. Diese Tradition will der DFB fortführen, nachdem man sich vom oberbayerischen Großmeister der internen und externen Kommunikation einvernehmlich getrennt hat und daher soll nun der sechste Nationalcoach aus „The Länd“ kommen: Jürgen Klopp, „the normal one“, der als Bub für den SV Glatten im Nordschwarzwald auf Torejagd gegangen ist.

Dass der DFB in Person von Neuendorf und Watzke darauf verzichtet hat, den Markt zu sondieren, sondern sich in einer Art Messias-Reflex mit dem Schlusspfiff des Paraguay-Debakels auf den leitenden Angestellten eines großen Getränkekonzerns festgelegt hat, ist ungewöhnlich. Ebenso die Tatsache, dass man dies ohne Not bereits in der Pressemitteilung zur Trennung von Nagelsmann verkündet hat, aber offenbar ist Klopp der Einzige, dem man zutraut, den gestrandeten DFB-Wal wieder freizubekommen und in den Baumärkten waren die Hintertüren wohl gerade ausverkauft. Vielleicht war es aber auch einfach nur pragmatisch, denn im Hinblick auf kommende Turniere, hätte man mit „Kloppo“ natürlich jemanden, der als „Trivago“-Experte sein Wissen bei Quartierbuchungen für das DFB-Team einbringen und dem Verband damit viel Geld ersparen könnte.

Aber Fragen bleiben offen. Etwa zur Vertragslänge, die mit „einer WM-Phase“, also bis 2030 angegeben wird. Das erscheint insofern unsinnig, als der designierte Übungsleiter schon vor geraumer Zeit wissen ließ, der DFB müsse „bis hinunter zur U10“ alles hinterfragen, um wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können. Da aber ein heute Neunjähriger frühestens beim Turnier 2038 imstande wäre, ins WM-Geschehen einzugreifen, könnte sich Klopp bei allfälligen Misserfolgen stets („Habt ihr nicht zugehört? U10 hab ich gesagt!“) auf diese Aussage berufen. Immerhin scheint man sich (Stand Freitag) von der grotesken Idee verabschiedet zu haben, Klopp könne parallel in Diensten des Brausegiganten bleiben. Denn bei dessen bekannt aggressiver Werbestrategie wäre eine Umbenennung des DFB in DRB nur eine Frage der Zeit gewesen und das muss ja nun wirklich nicht sein.

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