Schubertiade

Junges Trio begeistert mit Brahms’ Urfassung

Vorarlberg
18.07.2026 18:25
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Ein bemerkenswertes Kammerkonzert wurde zum Höhepunkt des jüngsten Schubertiade-Wochenendes in Hohenems: Die drei Ausnahmemusiker Tobias Feldmann, Victor Julien-Laferrière und Guillaume Bellom überzeugten mit der selten gespielten, ungestümen Urfassung von Johannes Brahms’ H-Dur-Trio. Weniger harmonisch verlief hingegen der Liederabend von Bariton Samuel Hasselhorn.

Sechs Konzerte gab es zwischen Donnerstag und Sonntag. Zwei davon bestritt die sehr kontroversiell eingeschätzte Band „The Erlkings“, die die Lieder Schuberts im Stil von Popmusik präsentiert – also in englischer Sprache und arrangiert für Gitarre, Violoncello, Tuba, Schlagzeug und Vibrafon. Wer das nicht wollte, konnte am Freitag Schubertiade wie gewohnt genießen: etwa ein Kammerkonzert mit drei wunderbaren Musikern.

Es waren der deutsche Geiger Tobias Feldmann, dann die beiden Franzosen Victor Julien-Laferrière am Cello und Guillaume Bellom am Klavier. Neben Schuberts magischem Trio in Es-Dur, das immer wieder ein Erlebnis ist, ermöglichten sie dem Publikum eine Begegnung mit der Urfassung des Klaviertrios Opus 8 in H-Dur von Johannes Brahms.

Frische, rhapsodische Unbekümmertheit
Ein bemerkenswertes Unterfangen, denn diese Urfassung ist um etwa ein Drittel länger als die übliche Fassung, die der selbstkritische Brahms 35 Jahre später schuf. Die Vorzüge, die ein erster Wurf generell hat, konnte man in der Interpretation dieser drei jungen Kammermusiker genießen. Frische, rhapsodische Unbekümmertheit und Ausschweifung zeigen sich bei einem Genie wie Brahms in Melodienseligkeit und der Ausreizung dynamischer Grenzen. Den folgen Bellom, Julien-Laferrière und Feldmann gerne. Sie geben sich der Schönheit der Melodien hin, sie lassen die Klänge bis knapp vor die Unhörbarkeit verebben und bauen dann wieder Steigerung auf, die kraftvoll bis zur Herbheit reichen. Dass Schuberts Klaviertrio in Es-Dur ebenfalls meisterlich erklang, muss nicht eigens erwähnt werden. Als Zugabe spielten die Musiker eine Romanze, die sie aus der Schubert-Oper „Die Verschworenen“ für ihre Instrumente arrangiert hatten.

Bariton Samuel mit Ammiel Bushakevitz am Klavier.
Bariton Samuel mit Ammiel Bushakevitz am Klavier.(Bild: (c)Schubertiade GmbH)

Am Freitagabend präsentierte sich der Bariton Samuel Hasselhorn mit einem reinen Schubert-Liedprogramm, wobei zweimal sein Partner am Klavier, Ammiel Bushakevitz, eine Gruppe von Tänzen aus der Feder Schuberts einflocht.

Gemeinsame Arbeit an „Schubert 200“
Hasselhorn und Bushakevitz erarbeiten derzeit die CD-Edition „Schubert 200“, wo sie jeweils die Lieder, die Schubert genau 200 Jahre zuvor komponierte, aufnehmen. Den Band von 1826, überschrieben mit „Hoffnung“, boten sie dem Hohenemser Publikum dar.

Hätte man nicht gewusst von dieser Zusammenarbeit, so hätte man meinen können, dass die beiden sich noch nicht lange kennen. Denn irgendwie klang es immer wieder nach Mühe, kurz, der Funke sprang zwischen den beiden selten über, und so erlebte man es auch im Publikum. Dabei verfügt der Sänger über sehr schöne stimmliche Qualitäten und bemüht sich um eine feinsinnige Gestaltung. Vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif für Hasselhorn als Liedersänger. Der Tenor Mark Padmore meinte einmal, dass man diese Kunst erst jenseits des vierzigsten Lebensjahres beherrscht. Da hat Hasselhorn noch Zeit. Für den freundlichen Beifall gab es eine Zugabe – Schuberts „Im Abendrot“. 

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