Windräder für sauberen Strom sind böse, ein Mega-Rechenzentrum für den Online-Riesen Google ist heilig: Die Eigenheiten der oberösterreichischen Energie- und Standortpolitik sind ein gefundenes Fressen für kritische Geister. Die gnadenlose Abrechnung einer Satire-Plattform ist lustig – aber nicht nur.
Das Areal, auf dem in Kronstorf das Mega-Rechenzentrum von Google entstehen soll, ist 50 Hektar groß – das entspricht in der allseits beliebten Umrechnung etwa 70 Fußballfeldern. Für den Bau des Datencenters, das im Endausbau jährlich so viel Strom verbrauchen könnte wie ganz Österreich in einem Monat, ist keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig.
Anderer Schauplatz: In Windhaag bei Freistadt gibt es Pläne für das Errichten von drei Windrädern – laut Feststellungsverfahren ist dafür eine UVP nötig.
Kein Witz
Wer das für einen Witz hält, liegt zwar falsch, dennoch sorgt dieses ur-oberösterreichische Spezifikum selbst in Wien schon für Lacher. Die Satire-Plattform „Die Tagespresse“ titelte kürzlich: „Damit es in Oberösterreich genehmigt wird: Windrad bekommt Rechenzentrum“ – dazu eine Fotomontage von einem auf ein Windrad aufgesetzten Datencenter (siehe Screenshot oben).
Thomas ist nicht nur stolz, sondern „stelzer“
Ihr Fett bekommen in dem Satire-Artikel die bisherigen Windrad-Verhinderer der schwarz-blauen Koalition ab. „Heute bin ich nicht nur stolz, heute bin ich stelzer“, wird Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) in den Mund gelegt. „Und der Strom von dem Radl, der wird nicht für irgendwelche linken Spompanadeln wie das Aufladen von E-Bikes verwendet, na, der geht direkt ins Rechenzentrum“, lässt „Die Tagespresse“, den LH-Vize, FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, frohlocken. Mit einem sogenannten Christian Pertl darf auch ein frei erfundener ÖVP-Bürgermeister zu Wort kommen: „Ein normales Windrad allein hätten wir unseren Bürgern nicht zumuten können. Diese dünnen, weißen Masten zerstören unsere Naturidylle zwischen dem dreistöckigen Möbelhaus, der vierspurigen Bundesstraße und dem Gewerbepark.“
Alles unbestritten ganz lustig. Dafür ist Satire da – aber auch dafür, dass in ihrer Botschaft immer auch ein wahrer Kern steckt. Und da kann einem schon einmal das Lachen im Hals stecken bleiben.
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