„Krone“-Tipps

Sehnsucht? So geht „Sommer wie damals“ in Wien

Wien
18.07.2026 11:00

Unbeschwerte Sommertage gehören für jeden zu den schönsten Kindheitserinnerungen. In Wien kann man sie an vielen Orten so aufleben lassen, als hätten die 1970er nie geendet. 

Das Wiener Ferienspiel hatte sein viertes Jahr, die ersten zwei Radarkontrollen im Stadtverkehr wurden bestaunt, Radio Wien ging auf Sendung und am Karlsplatz wurden letzte Reste der U-Bahn-Baustelle beseitigt: Wien vor 50 Jahren, im Sommer 1976.

Wer damals schon in der Stadt war – oder auf der Retro-Welle surft – bekommt angesichts solcher Rückblicke nostalgische Gefühle. Und wer will, kann auch heute noch einen Tag in der Stadt von damals verbringen:

Nach dem Frühstück ab in die „WIG“ nach Oberlaa

  • Will man mit einem Frühstück auswärts beginnen, könnte man das im Café Korb auf der Brandstätte tun. Chia-Bowls, Bagels und dergleichen mehr sucht man auf der Karte vergeblich. Zur Auswahl stehen das Kleine Wiener Frühstück oder das Wiener Frühstück (mit Ei), und Aus. Die Einrichtung passt wie angegossen dazu.
  • Solchermaßen gestärkt lässt sich der Tag planen: Ist es nicht zu heiß, bietet sich ein Spaziergang durch den Kurpark Oberlaa an, also die „Wiener Internationale Gartenschau 1974“: Noch immer finden sich dort viele Spuren des „Schönbrunn des 20. Jahrhunderts“, wie der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky es formulierte. Rosenberg und Kurgarten sehen fast noch aus wie damals, der Takasakigarten wurde auf Kosten von Japan rekonstruiert – und dass es im damaligen Partygarten östlich vom Schwanensee heute ruhiger zugeht, stört um 50 Jahre Gealterte nicht unbedingt.
Der Toboggan im Prater
Der Toboggan im Prater(Bild: Peter Tomschi)

Aufs Geld schauen, ein echtes 1970er-Erlebnis

  • Hat man genug von der Ruhe, muss man nur in den Prater wechseln. Der Toboggan, das Elite-Autrodrom, die Kinder-Auto-Bahn, von der immer noch Bussi-Bär und Bello winken, und anderes haben sich trotzig gegen die Zeit gestemmt. Noch mehr alte Bekannte lassen sich im Pratermuseum begrüßen. Für echte 1970er-Gefühle heißt es allerdings sparen, war doch das Durchschnittseinkommen in Wien damals inflationsbereinigt um rund 50 Euro pro Monat niedriger als jetzt.
  • Als Alternative zum Prater bietet sich daher eine Partie Minigolf an. Das kann man zwar inzwischen in Wien auch mit Schwarzlicht, Musik und im Skulpturenpark tun – oder traditionsbewusst, etwa am Baumgartner Spitz bei der Endstation vom 52er oder beim Golfstüberl an der Alten Donau, mit Retro-Küche, die locker genug Kalorien für mehrere Minigolf-Runden spendet.
  • Das Angelibad neben dem Golfstüberl passt zwar perfekt zu einem Sommertag. Wer aber in den 1970ern bleiben will, sollte das Hietzinger Bad wählen, das vor der kommenden Sanierung als letztes sortenreines der Ära in Wien übrig ist.
1,7
MILLIONEN BESUCHER PRO JAHR
in den Wiener Freibädern war für die 1970er ein Spitzenwert, der nur in sehr heißen Sommern erreicht wurde. 1,7 Millionen Besucher waren es auch im letzten verregneten und kühlen Sommer.
  • Wer aber doch gerade auf dem Weg retour vom Prater ist und durch die Stadt muss, könnte den Tag im Café Anzengruber in der Schleifmühlgasse beim Naschmarkt beschließen – seit Jahrzehnten nur dem Namen nach Kaffeehaus, und dafür ebenso lang selbst ernanntes nostalgisches „Museum“ mit Küche bis 23 Uhr.
  • Für alle Wege während des Tages empfehlen sich natürlich „Silberpfeil“-U-Bahn-Garnituren, unverändert im ruppigen orange-grauen 70er-Design und unklimatisiert. Und auch das passt zum Sommer wie damals, denn der Juli 1976 ließ die Wiener unter Rekordhitze schwitzen. Die lag damals allerdings bei 30 statt 40 Grad Celsius.
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