Vom Tragen zum Ablegen. Eine Studie von einem bekannten Islamkritiker untersucht erstmals systematisch die Erfahrungen von in Österreich aufgewachsenen muslimischen Frauen, die im Jugendalter ihr Haar bedeckten und das Kopftuch später ablegten.
Kaum ein Stück Stoff sorgt für so viele Kontroversen wie das Kopftuch von Musliminnen. Nun lässt Österreichs bekannter Islamkritiker mit einer neuen Studie aufhorchen. Darin wurden 55 Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern österreichweit interviewt, die aufs Kopftuch verzichten. Die einen trugen es, weil sie sich dadurch in ihrer Community bestätigt fühlten. Auch die Familie ließ sie in Ruhe.
Ablegen des Kopftuchs führte zur Scheidung
Andere empfanden es jedoch als Zwang. Da fielen Sätze wie: „Frauen, die ihr Kopftuch ablegen, gehören umgebracht oder kommen in die Hölle“. Die Betroffenen plagte das schlechte Gewissen. In einem Fall führte das Ablegen sogar zur Scheidung. Es ging um die Ehre. Eine weitere Interviewpartnerin meinte traurig: „Ich war eigentlich nie Kind“.
Diskriminierung und schwierige Jobsuche
Das Ablegen des Kopftuchs ist häufig mit Ausbildung, Berufseinstieg, persönlicher Reifung oder familiären Konflikten verbunden. Musliminnen erleben einerseits Diskriminierung wegen des Tragens ihres Hijabs in der Mehrheitsgesellschaft, so ist es schwer einen Job zu finden, andererseits leiden sie unter und sozialen Sanktionen innerhalb des eigenen religiösen Umfelds. Dadurch entsteht das Gefühl, zwischen zwei Welten zu leben.
Männer oft toleranter als Mütter
Interessant: Häufig stellen die Mütter die treibende Kraft zum Kopftuchzwang dar. „Männer waren oft lockerer als ihre Ehefrauen“, erklärt Prof. Ednan Aslan.
Das Ablegen des Kopftuchs bedeutet keine Abkehr vom Islam. Viele entwickeln ein persönlicheres und reflektierteres Religionsverständnis.

Ednan Aslan, Religionsforscher
Bild: krone.tv
Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei 12,5 Jahren, manche verdeckten ihr Haar bereits in der Volksschule. Eine eigenständige Entscheidung steht dabei noch nicht im Vordergrund. Die Mädchen orientieren sich an familiären Erwartungen, religiösen Vorbildern oder sozialen Normalitätsvorstellungen. Das Ablegen erfolgte im Alter zwischen 18 und 30 Jahren.
Unterstützung in den sozialen Medien
Eine sachliche Diskussion ist in der Öffentlichkeit kaum möglich. Beim Kopftuch geht es meist um Pauschalierung.
Mittlerweile unterstützen sich die Musliminnen auf Social Media gegenseitig. Mit steigender Bildung steigt auch der Wille zur Emanzipation. „Die Zukunft des Islam in den muslimischen Ländern liegt in den Händen der Frauen“, ist Aslan überzeugt.
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