Nach elf Jahren kehrt Puccinis Opernhit „Tosca“ in den Steinbruch von St. Margarethen zurück. Dieser spielt in der Inszenierung von Thaddeus Strassberger wieder einmal alle Stückerl und lässt eine stimmlich starke Joyce El-Khoury in der Titelpartie als Schutzengel in den Nachthimmel entschweben.
Der Steinbruch von St. Margarethen war bereits einmal Schauplatz des mörderischen Sex-and-Crime-Thrillers. Vor elf Jahren inszenierte Robert Dornhelm Puccinis „Tosca“ mit einem riesigen Engel als Hingucker. Nun hat Regisseur Thaddeus Strassberger das packende Kammerspiel rund um Operndiva Tosca, ihren Geliebten Mario Cavaradossi und den grausamen Polizeichef Scarpia in eine barocke Trümmerlandschaft gesetzt: Rom als Pulverfass im Zuge der Napoleonischen Kriege.
Darum kracht es auch zu Beginn einmal aus dem Rohr einer riesigen Kanone, die am oberen Rand des Steinbruchs das Drama einläutet. Darunter ist das Szenenbild bunt zusammengemixt – mit üppigen „Tableaux vivants“ Altarelementen, denen Statisten als Statuen und Engelsfiguren Leben einhauchen. Höhepunkt im ersten Akt: ein richtig spektakuläres „Te deum“ samt monströsem Weihrauchfass, das mittels Seilzug wie ein Menetekel durch den Steinbruch schwingt. Das ideale Setting für Scarpia (solide: Bariton Gevorg Hakobyan), dessen schauriges „Va, Tosca!“ vom Steinbruchrand herabdröhnt, wenn auch seine maskierten Schergen in dunklen Gewändern noch angsteinflößender wirken.
Star des Abends ist die libanesisch-kanadische Sopranistin Joyce El-Khoury, die schon vor drei Jahren als Carmen überzeugte und das Temperament nun in der Rolle der Tosca einbringt, aber auch mit cremigem Timbre ein berührendes „Vissi d´Arte“ abliefert. An ihrer Seite hat der chinesische Tenor Yongzhao Yu zunächst bei „Recondita armonia“ noch flatterndes Vibrato, kann sich jedoch glücklicherweise steigern und letztendlich mit einem sauberen, innigen „E lucevan le stelle“ überzeugen.
Bevor es zum Showdown kommt, wird Tosca jedoch noch zur richtig brutalen Doppelmörderin: Nagelt Scarpia kreuzigungsartig auf seinem Schreibtisch fest, erdolcht ihn und stranguliert dann auf der Flucht noch eine Wache. Weil man in den letzten Jahren schon so viele tödliche Stürze vom Steinbruch erlebt hatte, entschied sich Strassberger nun für ein Ende der ungewöhnlichen Art:
Tosca stürzt nicht vom Dach der (als Bühnenelement gar nicht vorhandenen) Engelsburg, sondern schreitet in die Mitte des mit Barockkitsch überfüllten Altars und wird von einer weißen Rauchwolke verhüllt – wäre da nicht der Wind im Spiel gewesen, der dem Schutzengel-artigen Abgang einen transparenten Strich durch die Rechnung machte.
Fazit: ein gelungenes Opernspektakel, das den jubelnden Premierenapplaus zu Recht verdiente.
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