Vor Augen der Tochter
ICE-Beamte erschossen den falschen Mann
Beim letzten tödlichen Schusswaffeneinsatz der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE ist offenbar die falsche Person erschossen worden. „Die getötete Person war nicht jene, nach der sie suchten“, erklärte Senator Angus King aus dem Staat Maine. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 26-jährigen Kolumbianer, der sich rechtmäßig in den USA aufhielt. Seine Tochter wurde Zeugin des blutigen Vorfalls.
Der Vorfall hatte sich am Montag in der Stadt Biddeford im US-Staat Maine im Nordosten der USA ereignet. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft von Maine sollte bei dem Einsatz ein Bescheid zur Abschiebung durchgesetzt werden. Als der Verdächtige versucht habe, mit einem Auto in Richtung eines ICE-Beamten zu fliehen, habe dieser das Feuer eröffnet. Der ICE-Beamte sei suspendiert worden. Die US-Bundespolizei FBI leitete Ermittlungen ein.
Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde bestätigte die tödlichen Schüsse. Der Beamte habe „aus Sorge um die öffentliche Sicherheit“ auf das Auto des fliehenden Mannes geschossen. „Der Fahrer des Fahrzeugs wurde getroffen, und die Rettungskräfte wurden sofort alarmiert. Er erlag seinen Verletzungen“, sagte der ICE-Sprecher. Besonders tragisch: Das Opfer soll vor den Augen seiner dreijährigen Tochter erschossen worden sein.
Hier sind Bilder des Todesopfers zu sehen:
Zwei Hilfsorganisationen, die in Maine für die Rechte Zugewanderter eintreten, identifizierten das Opfer als einen 26-jährigen Kolumbianer. Joan Sebastian Guerrero habe eine Aufenthaltserlaubnis in den USA gehabt, erklärten sie. Sein Tod dürfe nicht zu einer „Fußnote“ in den Statistiken werden, forderte die Vorsitzende der Organisation Presente Main, Crystal Cron.
Der Falsche geriet ins Visier
King hatte zunächst unter Berufung auf das US-Heimatschutzministerium erklärt, gegen den Kolumbianer sei ein Haftbefehl wegen seines Aufenthaltstitels vorgelegen. Im weiteren Verlauf des Tages erklärte jedoch sein Sprecher, der Senator sei in einem zweiten Gespräch mit Heimatschutzminister Markwayne Mullin darüber informiert worden, dass das Opfer nicht der eigentlich Gesuchte gewesen sei. Der den Demokraten nahestehende, parteilose King forderte eine „vollständige, transparente und offene Untersuchung“ des Vorgangs. Er merkte jedoch an, dass die beteiligten Beamten offenbar keine Körperkameras trugen.
Als einer der ersten hatte der Sprecher des Repräsentantenhauses von Maine, Ryan Fecteau, den Schusswaffeneinsatz mit einem Toten bestätigt. „ICE war beteiligt“, schrieb er im Onlinedienst Facebook. Der Augenzeuge Lucas Scott sagte lokalen Medien, er habe mindestens vier Schüsse gehört, nachdem mehrere ICE-Beamte in Biddeford ein weißes Auto umrundet hätten. In Online-Netzwerken verbreiteten Nutzer Videoaufnahmen, die den Vorfall zeigen sollen.
Entsetzen und Proteste
In der 23.000-Einwohner-Stadt Biddeford gingen Dutzende Menschen auf die Straße. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „ICE raus“ und „Mörder“. „Klare Antworten“ verlangte der Bürgermeister von Biddeford, Liam LaFountain. Die Kongressabgeordnete Chellie Pingree zeigte sich auf Facebook „zutiefst beunruhigt und wütend“ über die Berichte. „Wir werden um ein weiteres Opfer trauern“, schrieb die Parlamentarierin aus Maine. Auch die Gouverneurin von Maine, die Demokratin Janet Mills, äußerte sich „entsetzt“ über den Vorfall. Das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde nannte sie unter Verweis auf die zu diesem Zeitpunkt noch unbestätigten Medienberichte „rücksichtslos“ und „planlos“.









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