Sparpläne bei Konzern

Heimische Autozulieferer zittern um VW-Geschäft

Wirtschaft
11.07.2026 05:00

Nach den jüngsten Plänen des Volkswagenkonzerns, weiter an der Kostenschraube zu drehen, zittern die heimischen Automobilzulieferer um Aufträge. Am Donnerstag hat der Automobilriese angekündigt, bis zu 50 Prozent der Modelle zu streichen und auch die Ausstattungsvarianten deutlich zu reduzieren.

Die deutsche Automobilbranche steckt in der Krise. Allen voran sucht der Volkswagenkonzern (VW, Audi, Seat, usw.) nach einer zukunftsfähigen Lösung. Bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag stellte Konzernchef Oliver Blume dann einen „Zukunftsplan“ vor. Dabei soll beispielsweise die Modellpalette schrittweise auf bis zu 50 Prozent und Ausstattungsoptionen sogar bis zu 75 Prozent reduziert werden. Völlig offen ist hingegen, wie es mit der Zahl der Mitarbeiter weitergeht. Zuletzt hieß es, dass bis zu 100.000 Jobs auf der Kippe stehen und vier Werke in Deutschland geschlossen werden sollen.

Deutschland wichtigster Markt für unsere Autozulieferer
Für die heimischen Zulieferer sind die Nachrichten aus dem Nachbarland jedenfalls keine guten. Der deutsche Markt ist für unsere rund 900 Automobilzulieferer der wichtigste Absatzmarkt. Wie sich der jetzige Sparplan auf Österreichs Betriebe konkret auswirken wird, ist noch unklar. Die Frage ist nämlich, wie es mit den Produktionskapazitäten und den Werken weitergeht. „Für uns ist weniger die Frage, welche Autos produziert werden, sondern viel mehr die Frage der tatsächlich gefertigten Fahrzeuge von Bedeutung“, betont Clemens Zinkl von der ARGE Automotive-Zulieferindustrie. Hier sei sehr viel weiter im Unklaren.

Zitat Icon

Die Frage ist nicht, welche Autos gebaut werden, sondern wie viele Fahrzeuge vom Band rollen.

Clemens Zinkl, ARGE Automotive-Zulieferindustrie

VW-Chef Blume hat diesbezüglich angekündigt, künftig nur mehr neun Millionen Fahrzeuge (nach 10 Millionen im Vorjahr) bauen zu wollen. Vor der Corona-Pandemie waren es noch 12 Millionen Stück. Zieht man den Plan durch, dann trifft dies natürlich auch unsere Betriebe. Jedenfalls droht ein weiterer Jobabbau. Zählte die Branche vor einigen Jahren noch rund 82.000 Mitarbeiter, gingen zuletzt gut 5000 Stellen durch Abbau oder Pleiten verloren. Ob dies reicht oder es weiter hinuntergeht, könnte Zinkl nicht sagen. Die aktuellen Beschäftigungszahlen werden gerade erhoben und liegen daher noch nicht vor.

Gretchenfrage, wo künftig produziert wird
Neben den Produktionszahlen ist auch die Frage, wo Volkswagen künftig die Fahrzeuge bauen wird, von essenzieller Bedeutung für unsere Zulieferer. Werden die vier auf der Kippe stehenden deutschen VW-Werke beispielsweise nach Asien verlagert, werde es „schwierig werden“, meint der Automobil-Experte. An Standorten, wo Österreich konkurrenzfähig ist, sei dies anders.

„Nichts mehr herauszuholen“
Bei den heimischen Zulieferern sei jedenfalls nichts mehr zu holen, betont der Experte. Sie haben ihre Hausaufgaben erledigt, wodurch zumindest der Branchenumsatz bei knapp 28 Milliarden Euro gehalten werden konnte. Die Gewinnspannen sind jedoch dahingeschmolzen bzw. sogar ins Minus gerutscht, wie auch einige Insolvenzen zeigen. „Alles wird teurer und es bleibt nix mehr übrig“, so Zinkl.

Fehlende Planungssicherheit
Generell kritisiert der Branchenexperte, dass es an einer europaweiten Strategie fehlt. Man müsse endlich die Frage beantworten, welche Autos wir in Europa herstellen. „Planbarkeit wäre enorm wichtig“, betont Zinkl.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer fordert jedenfalls Nachbesserungen beim Automobilpakt der EU: „Echte Technologieoffenheit, die Zulassung erneuerbarer Kraftstoffe und einen wirksamen Schutz der europäischen Industrie vor Dumpingpreisen, staatlichen Subventionen und unfairen Wettbewerbsverzerrungen aus China.“

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