Zu hohe Kosten, zu starke Konkurrenz aus China, zu viel Bürokratie! Die Industriekapitäne in Niederösterreich sehen noch keinen Hoffnungsschimmer am wirtschaftlichen Horizont. Im Gegenteil: Dort ziehen eher dunkle Gewitterwolken auf.
Mehr als 900 Betriebe mit über 76.000 Beschäftigten – die Industrie ist ein wichtiger Faktor in der niederösterreichischen Wirtschaft. Noch. Denn die gesamte Sparte steht unter Schock. Und das kann dramatische Folgen haben, wie Helmut Schwarzl, der zuständige Spartenobmann in der Wirtschaftskammer NÖ, erklärt.
Enormer Druck aus China
Zu schaffen machen den heimischen Industriebetrieben die hohen Energie- und Personalkosten und der zunehmende globale Konkurrenzdruck. Vor allem aus Fernost. „China ist nicht mehr ein billiger Zulieferer, sondern produziert massiv in den europäischen Markt – und das wegen staatlicher Unterstützung mit einem Preisvorteil von 30 bis 50 Prozent“, so Claudia Huber, Wirtschaftspolitik-Expertin der WKÖ. Bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen zwischen Enns und Leitha spüren die Konkurrenz aus China deutlich.
Bürokratie als „Zwangsjacke“
Ein weiterer Pferdefuß, der den Aufschwung der Industriebetriebe hemmt, ist die Bürokratie. Die vielen Berichtspflichten seien „wie eine Zwangsjacke“, betont Schwarzl: „Sie verursachen hohen Aufwand und zusätzliche Kosten, bringen aber keine Wertschöpfung.“ Exemplarisch nennt er die Gehaltstransparenzrichtlinie: „Das ist ein wahrer Moloch!“
Ein Betrieb, der einmal weg ist, kommt nicht mehr zurück. Es geht um zigtausend Jobs und Milliarden an Wertschöpfung.

Helmut Schwarzl, Spartenobmann Industrie de rWKNÖ
Bild: Josef Bollwein
Arbeitsplätze gehen verloren
All diese Probleme münden in eine klare Absetztendenz: 43 Prozent der Unternehmen denken bereits daran, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Damit würde sich eine problematische Entwicklung fortsetzen. Denn allein in den letzten Jahren sind bereits knapp 3000 Industrie-Arbeitsplätze in Niederösterreich verloren gegangen. „Da müssen alle Alarmglocken schrillen“, fordert Schwarzl Maßnahmen von EU, Bund und Land, um Kosten zu senken und die Bürokratie zurückzufahren: „Sonst sind noch mehr Jobs und damit der Wohlstand weg!“
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