Nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormuz am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch (MESZ) haben die USA erneut Ziele im Iran bombardiert. Teheran verurteilte Washingtons Vorgehen umgehend als „schwerwiegenden Verstoß“ gegen das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges.
Der Iran werde „entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren“, kündigte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi auf der Plattform X an. In der Früh heulten im Golfstaat Bahrain die Alarmsirenen. Das Innenministerium des mit den USA verbündeten Landes rief die Einwohner am frühen Morgen über X auf, ruhig zu bleiben und sich in Sicherheit zu begeben. Nähere Einzelheiten gab es zunächst nicht. Unbestätigten Berichten zufolge kam es in Bahrain zu mehreren Explosionen.
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormuz sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.
Angriffe während Irans Trauerfeiern für Khamenei
US-Präsident Donald Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden NATO-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei. Am Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Khamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.
Nach eigenen Angaben griffen die US-Streitkräfte über 80 Ziele im Iran an, seine Attacken seien mittlerweile beendet, hieß es in den frühen Morgenstunden des Mittwoch (MESZ). Das Militär habe Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormuz getroffen, teilte das zuständige Regionalkommando Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören.
Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihre Feinde kurz vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten vor Angriffen gewarnt. „Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden“, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, der Elitestreitmacht des Irans. Zudem hatte die Führung in Teheran in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Straße von Hormuz sei sicher. Nun gerieten mehrere Tanker in der Meerenge erneut unter Beschuss.
USA: Teheran muss hohen Preis für Angriffe auf Tanker zahlen
Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker „Al-Rekayyat“ gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung. Ein US-Beamter bezeichnete die darauf erfolgten Angriffe des US-Militärs gegenüber dem US-Sender CNN als „Bestrafung“. Sie würden noch eine Weile andauern.
Teheran solle für die Angriffe auf Handelsschiffe einen hohen Preis zahlen, erklärte das Regionalkommando des US-Militärs (Centcom). Die Angriffe seien vier oder fünf Mal stärker gewesen als Attacken vor rund eineinhalb Wochen.Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit.
Ölpreise ziehen wieder an
In der Folge zogen die Ölpreise wieder an. Es wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war erst im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für intensive Verhandlungen über ein Ende des Krieges schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.
Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden „den Job zu Ende bringen“. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.
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