Die Debatte über ein höheres Pensionsantrittsalter ist wieder entflammt. ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger kann sich vorstellen, dass bestimmte Berufsgruppen – vor allem Akademiker – länger arbeiten müssen. Die NEOS begrüßen die Diskussion über eine Pensionsreform, die SPÖ steht wie gewohnt auf der Bremse.
Die Forderungen nach Reformen seien nachvollziehbar. Um das Sozialsystem zu sichern, sei eine solche notwendig. Die staatlichen Zuschüsse zum Pensionssystem seien der größte Brocken, so Ottenschläger in der ORF-Sendung „Hohes Haus“. „Die ÖVP steht für eine Weiterentwicklung des Pensionssystems.“ Dieses müsse stärker auf die Versicherungsjahre abstellen. Es sei denkbar, dass bestimmte Gruppen ein höheres Antrittsalter haben als etwa Menschen, die in der Pflege oder am Bau arbeiten.
ÖVP und NEOS müssen SPÖ erst überzeugen
Man werde an dieser Diskussion nicht vorbeikommen, so der ÖVP-Abgeordnete. Mit den NEOS sei man hier einer Meinung, „aber die SPÖ sieht das alles noch sehr skeptisch“. Ob noch in dieser Legislaturperiode etwas kommt, könne er aber nicht sagen.
Für Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec ist es dagegen bereits geklärt, dass in dieser Periode keine Anhebung erfolgen werde. Man müsse aber über Veränderungen nachdenken, die dann 2040 kommen könnten. Dabei müsste man aber auch darüber berücksichtigen, wie die Arbeitswelt in 15 bis 20 Jahren aussehen werde und wie sie sich durch die künstliche Intelligenz verändert haben wird, so Korosec im Gespräch mit der „Krone“.
„Die steigende Lebenserwartung muss sich in irgendeiner Form im Pensionssystem widerspiegeln. Das können ein höheres Antrittsalter oder höhere Abschläge sein“, sagt NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser. Darüber müsse jetzt diskutiert werden, damit die Reform greifen kann, „bevor das System kollabiert“.
Expertin skeptisch bezüglich Differenzierung
Die WIFO-Pensionsexpertin und Leiterin der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, äußert sich ähnlich. Ab dem Jahr 2040 brauche es eine Anpassung und „das muss man natürlich schon heute festlegen, damit sich die Leute und die Betriebe darauf einstellen können“. Von unterschiedlichen Antrittsaltern nach Branchen hält Mayrhuber nichts. Eine ausreichende Unterscheidung gebe es schon jetzt.
„Wir haben im bestehenden System verschiedene Pensionsantrittsaltersgrenzen. Beispielsweise im Bereich der Langzeitversicherten. Menschen, die lange versichert sind, können mit der Korridorpension bereits mit dem 63. Lebensjahr in Ruhestand gehen.“ Viel mehr müsste man über eine generelle Anhebung des Antrittsalters nachdenken. „Aber das ist etwas, was man nicht von heute auf morgen macht, weil wir jetzt im Übergang sind. Das Frauenpensionsantrittsalter wird jenem der Männer angepasst und ist 2033 fertig.
„Ein branchenspezifisches Pensionsantrittsalter ist unpraktikabel und würde einen beinahe undurchführbaren Aufwand verursachen“, lässt das Sozialministerium von Korinna Schumann auf Anfrage wissen. „Dies liegt daran, da Branchen keine homogenen Einheiten sind. Eine pauschale Branchenregelung ignoriert diese Realität.“ Das bestehende Modell der Schwerarbeitspension sei der richtige Ansatz.
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