Im verstörenden neuen Thriller „Good Boy“ (ab Freitag im Kino) spielt „Adolescence“-Star Stephen Graham einen Familienvater, der einen Gefangenen hält. Regisseur Jan Komasa geht an viele Grenzen und spricht mit der „Krone“ darüber.
„Ich habe meinen Weg in die Geschichte gefunden, aber ich muss sagen, dass ich mir mit allen Figuren sehr schwer getan habe“, berichtet Regisseur Jan Komasa von der seltenen Aufgabe, einen Film ohne Helden zu drehen. Denn in „Good Boy“ (ab Freitag im Kino) spielt Stephen Graham nach seinem Welterfolg „Adolescence“ dieses Mal eine sehr düstere Hauptrolle.
Er hält als Familienvater Chris einen jungen Kriminellen (Anson Boon) in seinem Haus gefangen, um ihm eine Lehre zu erteilen. Und die ganze Familie weiß davon: „Ich wollte mich was trauen, keine Kompromisse machen. Für diesen Film musste ich meinen moralischen Kompass ausschalten“, suchte Komasa bewusst nach der Herausforderung.
Wie hat er es geschafft, Graham, der nach seinem Netflix-Hit von Angeboten überschwemmt wird, an Bord zu holen? „Er hat schon Ja gesagt, bevor er das Drehbuch überhaupt gelesen hatte, er hat seinem Agenten da blind vertraut. Als er dann verstanden hat, wo er da reingeraten ist, meinte er nur: ,Oh. Interessant.’ Er hatte dann durchaus Schwierigkeiten, seinen Frieden mit dem provokanten Konzept zu machen. Jeder von uns kämpfte auf irgendeine Art damit.“
Deshalb sei es besonders wichtig gewesen, als Filmemacher die Umgebung für das Team so human und harmonisch wie möglich zu machen. Das galt vor allem für den Kinderdarsteller Kit Rakusen: „Ich war selbst schon als Kind vor der Kamera, daher konnte ich mich gut in ihn hineinversetzen. Aber er wollte unbedingt genauso viele Emotionen zeigen wie die Erwachsenen.“
Komasa glaubt, „Good Boy“ könnte eine Rolle im Rennen um die nächsten Oscars spielen: „Das wäre wirklich toll. Zwei Preise von Filmfestivals haben wir damit schon gewonnen.“ Der Pole wurde bereits einmal für den Oscar nominiert („Corpus Christi“), kennt also den Weg nach Hollywood schon. Aber: Er will auch bald in Wien kreativ werden. „Mein Bruder singt an der Volksoper, ich bin in Gesprächen, dort eine Produktion zu realisieren. Ich liebe die Bühne, habe dort begonnen, davon kommt auch meine Liebe fürs Kino.“
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