Der österreichische Kultregisseur Harald Sicheritz feierte beim Filmfest München Premiere von „Bruno – Der junge Kreisky“. Die „Krone“ traf ihn dort zum Interview. Im Herbst startet der Streifen bei uns im Kino.
Als der heute 68-jährige Kultregisseur Harald Sicheritz („Hinterholz 8“) aufwuchs, waren Bruno Kreisky und die Auswirkungen seiner Politik auf den österreichischen Alltag allgegenwärtig: „Als wir von den Sommerferien zurückgekommen sind, waren alle alten Nazis im Lehrkörper plötzlich weg. Das war Aufbruchsstimmung. Das war großartig. Auf einmal konnte ich – aus einer Familie des unteren Mittelstandes stammend – auf die Universität gehen.“ Doch Sicheritz ist auch klar, dass Kreisky langsam aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet. Auf die Frage im „Krone“-Interview, was junge Leute heute noch über den ehemaligen Bundeskanzler wissen, antwortet er sofort: „Gar nichts.“
Aber: „Man muss sie eben dafür interessieren. Deshalb haben wir den Film so gemacht, dass es vollkommen wurscht ist, ob man historisches Wissen hat – oder nicht. Wir erzählen eine spannende Geschichte, aus der man dazu noch Wichtiges über unsere kollektive Vergangenheit lernt.“ Und zwar jene der Anfänge von Kreisky, denn ein Film über seine Zeit als Kanzler hätte ihn nicht interessiert: „Wir zeigen den jungen Bruno, im Alter zwischen 16 und 27.“
Die Hauptrolle in „Bruno – Der junge Kreisky“, der jetzt beim Filmfest München Weltpremiere feierte und ab 1. Oktober bei uns im Kino zu sehen ist, spielt Nils Arztmann: „Er ist ein sowohl intellektueller als auch emotionaler Mensch – und ein hochkarätiger Schauspieler“, so Sicheritz. Der für den Film extra die HistoBeraterin Helene Maimann an Bord holte. Auch in die Wahl der Drehorte wurde viel Energie gesteckt: „Wien hat den Vorteil, dass es sehr viele Orte gibt, die ziemlich in ihrem ursprünglichen Zustand sind. Etwa die Griechengasse, wo wir etliche Straßenszenen gedreht haben. Aber es gab auch wertvolle Entdeckungen, wie etwa eine Adolf-Loos-Wohnung, die uns der Bridge Club Wien zur Verfügung gestellt hat. Dort ist meines Wissens noch nie davor gedreht worden.“
Sicheritz hofft auf viel junges Publikum, denn: „Was es in der Gegenwart genauso gibt wie damals, sind Menschen, die einen Standpunkt haben. Die, wenn sie etwas besser machen wollen und können, das verdammt noch mal auch tun. Kreisky imponiert mit der Überzeugung, dass man die Welt besser machen kann.“
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